Klassifikationen / ICD-10-GM / Spezielle Kodierfragen

Was versteht man unter SIRS - Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom? (ICD-10-GM Nr. 1007)

seit ICD-10-GM 2016

Die ab dem 01.01.2007 gültige Definition von SIRS der DIVI und DSG (s. Link) gilt bis auf Weiteres unverändert für die Anwendung der Klassifikation.

Wie Sie den Kriterien entnehmen können, sind diese ausschließlich auf Patienten ab dem vollendeten 16. Lebensjahr (16 Jahre und älter) anwendbar.
Da in der ICD-10-GM selbst keine Kriterien für die Definition des SIRS bei Patienten unter 16 Jahren festgelegt sind und seitens der Fachgesellschaften zurzeit keine operationalisierbaren Kriterien für Patienten dieser Altersgruppe zur Verfügung gestellt werden können, obliegt es dem jeweiligen Arzt, ein SIRS zu diagnostizieren und entsprechend zu verschlüsseln.

ICD-10-GM 2007 - 2015

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Sepsis-Gesellschaft (DSG) haben die Definition von SIRS bzw. von dessen Organkomplikationen geändert. Die Änderungen wurden notwendig aufgrund der Erfahrungen mit der bisherigen Definition in Verbindung mit den 2005 in die ICD-10-GM eingeführten Schlüsselnummern unter R65.-!.

Auf der Internetseite der Deutschen Sepsis-Gesellschaft finden Sie unter "Krankheitsbild Sepsis" - "Informationen für Mediziner" Links zu der neuen SIRS-Definition  ("Kriterienkatalog DSG") und zur Begründung der Änderungen ("Kodierrichtlinien"). Die neue Definition finden Sie als Kopie auch über den unten angegebenen Link auf unserer Website.

Wie Sie den dort beschriebenen neuen Kriterien entnehmen können, sind diese ausschließlich auf Patienten ab dem vollendeten 16. Lebensjahr (16 Jahre und älter) anwendbar.
Da in der ICD-10-GM 2007 selbst keine Kriterien für die Definition des SIRS bei Patienten unter 16 Jahren festgelegt sind und seitens der Fachgesellschaften zurzeit keine operationalisierbaren Kriterien für Patienten dieser Altersgruppe zur Verfügung gestellt werden können, obliegt es dem jeweiligen Arzt, ein SIRS zu diagnostizieren und entsprechend zu verschlüsseln.

 

ICD-10-GM 2005 und 2006

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Sepsis-Gesellschaft (DSG) beschreiben SIRS bzw. dessen Organkomplikationen folgendermaßen:

Für das Vorliegen eines SIRS müssen mindestens zwei der folgenden Faktoren erfüllt sein:

  • Fieber (mind. 38°C) oder Hypothermie (36°C od. weniger) bestätigt durch eine rektale oder intravasale Messung.
  • Tachykardie: Herzfrequenz mind. 90/min
  • Tachypnoe (Frequenz mind. 20/min) oder Hyperventilation (PaCO2  4,3 kPa od. weniger/ 33 mmHg od. weniger)
  • Leukozytose (mind. 12000/mm3) oder Leukopenie (4000/mm3 od. weniger) oder mind. 10% unreife Neutrophile im Differentialblutbild.

Bezüglich der Angabe von Organkomplikationen muss mindestens eine der folgenden Organfunktionen nicht anderweitig erklärbar beeinträchtigt sein. Einer dieser Organfunktionsausfälle oder die Kombination aus mehreren Organfunktionsausfällen ist lebensbedrohlich:

  • Akute Enzephalopathie:
    Eingeschränkte Vigilanz, Desorientiertheit, Unruhe, Delirium
  • Arterielle Hypotension; Schock:
    Systolischer Blutdruck  90 mmHg od. weniger oder mittlerer arterieller Blutdruck 70 mmHg od. weniger für mind. 1 Stunde trotz adäquater Volumenzufuhr; andere Schockursachen ausgeschlossen.
    oder
    für wenigstens 2 Stunden systolischer arterieller Blutdruck bei mind. 90 mmHg bzw. mittlerer arterieller Blutdruck 70 mmHg od. weniger oder notwendiger Einsatz von Vasopressoren*, um den systolischen arteriellen Blutdruck mind. 90 mmHg oder den arteriellen Mitteldruck mind. 70 mmHg zu halten. Die Hypotonie besteht trotz adäquater Volumengabe und ist nicht durch eine andere Schockform zu erklären.
  • Relative oder absolute Thrombozytopenie:
    Abfall der Thrombozyten um mehr als 30% innerhalb von 24 Stunden oder Thrombozytenzahl 100000/mm3 od. weniger. Eine Thrombozytopenie durch akute Blutung muss ausgeschlossen sein.
  • Arterielle Hypoxämie:
    PaO2  10 kPa od. weniger (75 mmHg od. weniger) unter Raumluft oder ein PaO2/FiO2-Verhältnis von  33 kPa od. weniger (250 mmHg od. weniger) unter Sauerstoffapplikation. Eine manifeste Herz- oder Lungenerkrankung muss als Ursache der Hypoxämie ausgeschlossen sein.
  • Renale Dysfunktion:
    Eine Diurese von  0.5 ml/kg/ od. weniger für wenigstens 2 Stunden trotz ausreichender Volumensubstitution und/oder ein Anstieg des Serumkreatinins auf mehr als 2× oberhalb des lokal üblichen Referenzbereiches.
  • Metabolische Azidose:
    Base Excess -5 mmol/l od. weniger oder eine Laktatkonzentration über 1,5× oberhalb des lokal üblichen Referenzbereiches.

* Dopamin mind. 5 µg/kg/min bzw. Noradrenalin, Adrenalin, Phenylepinephrin oder Vasopressin unabhängig von der verabreichten Dosierung