Alphabetisches Verzeichnis zur ICD-10-GM

Das Alphabetische Verzeichnis (kurz: Alphabet; früher: Diagnosenthesaurus) zur ICD-10-GM besteht aus einer umfangreichen Sammlung verschlüsselter Diagnosen und anderer Bezeichnungen; integriert ist die sog. Tabelle der Neubildungen. Es enthält außerdem eine Einführung zu Aufbau und Benutzung mit einer Versionsübersicht und einer Übersicht über die in das Alphabet integrierten Begriffssammlungen. Das Alphabet erleichtert die Arbeit mit der ICD-10-GM beträchtlich. Es kann in der stationären und in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung eingesetzt werden; es ist jedoch zu beachten, dass hier punktuell unterschiedliche Verschlüsselungsregeln gelten. Nähere Informationen und einige Beispiele finden Sie in der "Anleitung zur Verschlüsselung" im Vorspann des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10-GM.

Aufbau in der Druckausgabe bzw. im PDF

Das Alphabetische Verzeichnis entsteht auf der Basis normalsprachlich ausformulierter Diagnosentexte, denen der ICD-Kode zugeordnet ist, z.B. "Thorakaler Bandscheibenvorfall M51.2". Zurzeit enthält die sog. EDV-Fassung des Alphabets mehr als 80.000 solcher Texte. Durch Permutation (Änderung der Wortreihenfolge und Zerlegung des Begriffes in seine Bestandteile, falls er zusammengesetzt ist aus einer Diagnose und einer Lokalisationsangabe) ergeben sich meist mehrere mögliche Sucheinträge: "Thorakaler Bandscheibenvorfall" kann gesucht werden unter "thorakal, Bandscheibe, Vorfall", "Bandscheibe, Vorfall, thorakal", "Vorfall, Bandscheibe, thorakal". Auf diese Weise werden aus den ca. 80.000 Diagnosentexten nahezu doppelt so viele Sucheinträge in der Druckausgabe. Für die Druckausgabe werden diese permutierten Einträge alphabetisch sortiert und sind jeweils unter ihren durch Fettdruck hervorgehobenen Leitbegriffen (den führenden Wörtern) zu finden; die weiteren Bestandteile (die sog. Modifikatoren) stehen jeweils eingerückt und mit Spiegelstrichen versehen unter dem Leitbegriff. Der Suchende landet unabhängig vom Suchbegriff immer bei dem korrekten Kode. Die Einträge unter dem Leitbegriff "Vorfall" sehen z.B. so aus:

Vorfall
- After K62.2
- Arm
- - beim Fetus P03.1
- - Fetus, Betreuung, Mutter O32.2
- - Hindernis, Geburt O64.4
- - Komplikation, Entbindung O32.2
- - mit Schnittentbindung O32.2
- Bandscheibe M51.2
- - lumbal M51.2
- - lumbosakral M51.2
- - mit
- - - Ischialgie M51.1† G55.1*
- - - Kompression, Rückenmark a.n.k. M51.0† G99.2*
- - - Lendenwirbelsäulensyndrom M51.1† G55.1*
- - - Neuritis M51.1† G55.1*
- - - Zervikalsyndrom M50.1† G55.1*
- - thorakal M51.2
- - zervikal M50.2
- - - mit
- - - - Kompression, Rückenmark M50.0† G99.2*
- - - - Myelopathie M50.0† G99.2*
- Bein
...

Tabelle der Neubildungen

Die mehrseitige "Tabelle der Neubildungen" unterbricht das 2-spaltige Druckbild des Alphabets durch ihren 6-spaltigen Aufbau. Sie behält die übliche Spiegelstrichdarstellung bei. In Spalte 1 stehen unter dem Leitbegriff "Neubildung" modifizierende Begriffe, fast ausschließlich Lokalisationsangaben. In den Spalten 2-5 stehen die zugeordneten ICD-Kodes, differenziert nach ihrem Charakter: bösartig (primär, sekundär), in situ, gutartig und unsicher bzw. unbekannt. Integrierte Hinweise erläutern die Anwendung der Tabelle.

Alphabetisches Verzeichnis vs. Systematisches Verzeichnis

Das Alphabetische Verzeichnis entsteht nicht einfach aus einer Alphabetisierung der Einträge des Systematischen Verzeichnisses:

Eine Vielzahl der (Diagnosen-)Bezeichnungen des Alphabets sind in der Systematik nicht enthalten: Die unter einer Kategorie der Systematik aufgeführten Bezeichnungen sind nicht abschließend; sie dienen als Beispiele für den Inhalt der Kategorie und als Hinweise für deren Umfang und Abgrenzung. Dabei werden in der Systematik sog. Vorzugsbezeichnungen verwendet. Das zugehörige Alphabet dagegen enthält neben diesen Vorzugsbezeichnungen auch viele andere gebräuchliche Diagnosenbezeichnungen, also z.B. Synonyme. Oft sind auch ungenaue und möglicherweise veraltete Bezeichnungen aufgenommen, weil diese noch in ärztlichen Aufzeichnungen vorkommen können. Eine Übersicht über die in das Alphabet integrierten Begriffssammlungen findet sich der Einführung zum Alphabet. Grundsätzlich sollten Verschlüsselungen, die dem Alphabet entnommen wurden, anhand von Systematik und Regelwerk überprüft werden.

Nicht alle Diagnosentexte/Kodes, die in der Systematik enthalten sind, sind auch im Alphabet enthalten. Es fehlen z.B.:

  • Diagnosentexte von Ausrufezeichen- und Sternkodes als Einzelkodes, da sie nur zusammen mit einem Primärkode verwendet werden können (Mehrfachkodierung); in Kombination mit einem Primärkode können sie aber enthalten sein
  • Diagnosentexte von einem Teil der Kodes, deren Klassentexte in der Systematik unspezifische Angaben enthalten wie "sonstige", "nicht näher bezeichnete", "mehrere Lokalisationen", "einer einzelnen näher bezeichneten Lokalisation"; sind in der Systematik bei solchen Kodes jedoch spezifische Inklusiva genannt, sind diese im Alphabet enthalten.

Alphabetisches Verzeichnis und Alpha-ID

Die seit 2005 vom DIMDI herausgegebene Alpha-ID nutzt die umfangreiche Sammlung von Diagnosenbezeichnungen des Alphabetischen Verzeichnisses als Grundlage für einen nicht klassifizierenden Diagnosenkode.