Klassifikationen / ICD-11

Wann kommt die ICD-11?

Nach 11-jähriger, intensiver internationaler Entwicklungsarbeit hat die WHO im Juni 2018 die ICD-11 vorgestellt. Sie wurde im Mai 2019 auf der 72. Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA72) verabschiedet.

Die ICD-11 soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten; erst nach einer flexiblen Übergangszeit von 5 Jahren sollen Todesursachen ausschließlich mit der ICD-11 kodiert werden.

Die Resolution zur Verabschiedung hat die WHO auf ihrer Website veröffentlicht. Neben einem Kodier-Werkzeug stellt die WHO auch Anwendungen bereit, die die Übersetzung und Überleitung sowie das Einbringen von Änderungsvorschlägen zur Weiterentwicklung erleichtern. Den Zugang dazu ermöglicht ein zentrales Portal der WHO.

Das DIMDI ist WHO-Kooperationszentrum für das System Internationaler Klassifikationen. Als solches hat das DIMDI mit seiner langjährigen Erfahrung mit dem Einsatz und der Weiterentwicklung der ICD-10 bei der Entwicklung der ICD-11 eng mit der WHO zusammengearbeitet. So konnten viele für Deutschland als wichtig erachtete Aspekte bereits in der Entwicklungsphase eingebracht und berücksichtigt werden.

Die ICD wird hierzulande sehr weitreichend in den verschiedensten Anwendungsbereichen eingesetzt: So ist die ICD-10-GM z.B. Grundlage für die Entgeltsysteme im Gesundheitssystem (z.B. G-DRG, EBM), für den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich der Krankenkassen (Morbi-RSA), für die Qualitätsberichte der Krankenhäuser sowie die AU-Bescheinigungen und Statistik über AU-Fälle von GKV-Versicherten (KG8-Statistik). Die mit der ICD-10-WHO verschlüsselten Todesursachen sind die Grundlage für die Todesursachenstatistik (Gesundheitsberichterstattung).

Ein zukünftiger Einsatz der ICD-11 in Deutschland – einerseits zur Mortalitätsverschlüsselung und andererseits zur Morbiditätsverschlüsselung – ist Gegenstand von Beratungen, an denen sich u.a. das Bundesgesundheitsministerium, die medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen und das DIMDI beteiligen. Wegen des vielfältigen Einsatzes sind die Auswirkungen eines Umstiegs und die Anforderungen an eine deutsche Fassung der ICD-11 sehr sorgfältig zu evaluieren. Das BMG und das DIMDI werden hierbei von den o.g. Organisationen und Institutionen in einer 2017 eingerichteten Arbeitsgruppe ICD-11 des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (KKG) unterstützt.

Wesentlich für die notwendige Evaluation der ICD-11 für einen möglichen Einsatz in Deutschland sind das Vorliegen einer deutschen Übersetzung der ICD-11 sowie die Erstellung einer Überleitung zwischen ICD-10-GM und ICD-11. Erste Vorarbeiten in Bezug auf die Übersetzung wurden bereits in Angriff genommen, sich anschließen werden Phasen der Validierung der Übersetzung. Die Arbeiten zur Erstellung einer Überleitungstabelle als Basis für weitergehende Analysen in den jeweiligen Anwendungsbereichen haben gerade begonnen.

Beide Komponenten - Übersetzung und Überleitung - werden ggf. Rückschlüsse auf die Notwendigkeit der Modifikation der ICD-11 für die Morbiditätsverschlüsselung in Deutschland, also die Weiterentwicklung der WHO-Fassung zu einer an die Erfordernisse des deutschen Gesundheitswesens angepassten GM-Fassung, ermöglichen. Parallel dazu müssen dann auch die Anwendungssysteme, also die Entgelt- und Qualitätssicherungssysteme, aber auch z.B. der Morbi-RSA an den neuen Diagnoseschlüssel angepasst werden.

Insgesamt wird der notwendige Evaluationsprozess und eine mögliche Einführung der ICD-11 in Deutschland mehrere Jahre in Anspruch nehmen.