Das DIMDI wurde am 1. September 1969 als nicht-rechtsfähige Bundesanstalt gegründet, um Informationen aus der gesamten Medizin und ihren Randgebieten bereit zu stellen. Zu dieser Zeit gab es weder CD-ROM noch Mikroprozessoren. Die Informations- und Kommunikationstechnologie steckte 1969 noch in den Kinderschuhen. Die Informationsversorgung mittels elektronischer Medien war eine Zukunftsvorstellung weniger Visionäre - noch 1977 gab es weltweit nur rund 300 Datenbanken. Das Internet war noch völlig unbekannt.

Nach einem kurzen Überblick finden Sie detaillierte Informationen zur Geschichte des DIMDI unterteilt in thematische Schwerpunkte. Die Liste der Meilensteine spiegelt die spannende Entwicklung des DIMDI in Schlaglichtern wider.

Ein kurzer Überblick

Das DIMDI war lange Vorreiter als Datenbankanbieter für die Medizin und als Entwickler von Recherche-Anwendungen in Deutschland. In den ersten 20 Jahren stellte das DIMDI zunehmend Informationsquellen für den Geschäftsbereich des Gesundheitsministeriums und die medizinische Fachöffentlichkeit bereit, erschloss die Inhalte deutscher medizinischer Fachzeitschriften mithilfe von Schlagworten (Indexierung) und führte Auftragsrecherchen durch. Mit seinen Software-Entwicklungen gehörte das DIMDI zu den Pionieren der Datenbankbranche in Deutschland.

Die erste Datenbank beim DIMDI war MEDLINE von der NLM im Jahr 1970. Ihr folgten sukzessive viele weitere Datenbanken aus Medizin, Biologie und Veterinärmedizin. Forschungsinstitute und Fachbibliotheken konnten schon 1975 über DIMDINET selbständig online auf die Datenbanken beim DIMDI zugreifen - lange vor der Verbreitung des Internets. Viele Generationen von wissenschaftlich Tätigen im In- und Ausland nutzten seither den Rechercheservice des DIMDI für die Suche nach Fachliteratur und medizinischen Fakten.

Seit den 90er Jahren führten zahlreiche weitere gesetzliche Aufgaben zum heute sehr breiten und vielfältigen Aufgabenspektrum des DIMDI: Aufbau und Betrieb von speziellen Informationssystemen für Arzneimittel, Medizinprodukte, Health Technology Assessment (HTA) und die Arbeit an verschiedenen Klassifikationen, Terminologien, Nomenklaturen und Thesauri. Diese Begriff- und Ordnungssysteme dienen längst nicht mehr nur der eindeutigen Kodierung für epidemiologische Zwecke und als Grundlage für die Entgeltsysteme in Klinik und ärztlicher Praxis (G-DRG), sondern immer stärker dem elektronischen Datenaustausch in der Medizin (Gesundheitstelematik).

Mit diesen neuen Themen entwickelte sich das Institut zum heutigen Experten für medizinische Informationssysteme und Begriffssysteme an der Schnittstelle von Medizin und Informationstechnologie  (IT). Entsprechend verstärkte sich die von Anbeginn intensive internationale Vernetzung des DIMDI, u.a. mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, der National Library of Medicine (NLM, USA u.v.m.

Auch zukünftig wird das DIMDI neue Informationssysteme aufbauen und vorhandene weiterentwickeln. Schwerpunkte liegen dabei auf der intelligenten Vernetzung von medizinischen Daten mit komfortablen Zugriffsmöglichkeiten für Gesundheitswesen und Politik, Forschung und Industrie, Patienten und Ärzte.

1969-1991: Schwerpunkt medizinische Fachinformation

Eine wissenschaftliche Informationskrise zeichnete sich Ende der 1950er Jahre ab - auch in der Medizin. Die erstmalige Forderung nach einem eigenständigen Institut für medizinische Dokumentation wurde 1959 von Bundesärztekammer und Bundesrechnungshof formuliert. Den Initiativantrag des Gesundheitsheitsausschusses 1962 griff das Gesundheitsministerium auf und entwickelte mit dem Institut für Dokumentationswesen in Frankfurt und unter Beteiligung wichtiger Gremien aus dem Gesundheitswesen einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Situation in der Medizin: Ein neues Institut sollte einen Auskunftsdienst aufbauen, der vor allem die medizinische Literatur der ganzen Welt berücksichtigte und darüber hinaus Forschungsvorhaben, Kongressberichte, Zusammenstellungen von Arzneimittelvergiftungen etc.

Der Anfang

Im Laufe des Jahres 1967 fiel die Entscheidung für Köln als Standort, da hier ein Sondersammelgebiet Medizin von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur medizinischen Zentralbibliothek (heute ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften) ausgebaut wurde. Im Frühjahr 1969 begannen eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter mit dem Aufbau des DIMDI.

1970 übernahm Dr. Rolf Fritz als Präsident die Leitung des neuen Instituts (1970-1995) mit bereits acht engagierten Beschäftigten. Der Physiker war zuvor bei AEG Telefunken in der Abteilung Dokumentation und Information tätig gewesen. Mit tatkräftiger Unterstützung des technischen Leiters, Hans-Eberhard Kurzwelly, der bereits 1969 zur Gründungsgruppe des DIMDI gehörte, etablierte Dr. Fritz das Institut als eine international anerkannte Informations- und Dokumentationseinrichtung und als Pionier in der Entwicklung von Recherchesystemen.

Haupttätigkeiten des DIMDI waren damals zunächst die Literaturrecherche und die Indexierung von Fachartikeln für MEDLARS/MEDLINE. Im Laufe der ersten Jahre nahm die Nachfrage nach Erweiterung des Informationsangebots beim DIMDI stetig zu und entsprechend vergrößerte sich das Datenbankangebot kontinuierlich. Gleichzeitig entwickelte das DIMDI eigene Systeme für die Literaturrecherche und die Literaturbestellung und eine eigene Infratstruktur für den dezentralen Zugriff darauf. Mit dem Aufbau von DIMDINET im Jahr 1975 konnten auch Bibliotheken, Forschungsinstitute und erste Informationsvermittler selbständig beim DIMDI online recherchieren - 20 Jahre bevor das Internet Verbreitung fand.

Anfang der 1970er Jahre wurde das DIMDI im Rahmen eines Förderprogramms der Bundesrepublik für Informations- und Dokumentationsprogramme (IuD-Programm 1974-1977) zum Fachinformationszentrum "Gesundheitsversorgung, Medizin, Biologie und Sport" benannt. Dr. Fritz wurde 1976 in den Lenkungsausschuss für IuD-Programme berufen und das DIMDI unterstützte in der Folge maßgeblich den Aufbau von Informationszentren anderer Fachrichtungen (u.a. Technik, Chemie etc.). Verwaltungsabkommen wurden geschlossen mit der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information in Bonn (ZADI), dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Köln (BISP), dem Institut für Dokumentation über Sozialmedizin und öffentliches Gesundheitswesen in Bielefeld (IDIS), der Zentralstelle für psychologische Information und Dokumentation in Trier (ZPID) und dem Senckenberg Forschungsinstitut als Informationszentrum Biologie in Frankfurt u.v.m.

Experte für medizinische Datenbanken und Recherche-Anwendungen

1971 reichte die gemietete Rechenleistung bei der Universität Köln bereits nicht mehr aus und der Aufbau eines eigenen Rechenzentrums begann. Da sich seinerzeit kein geeignetes System für die Recherche in medizinischen Datenbanken auf dem Markt befand, entwickelte das DIMDI eine eigene Software DIRS (DIMDIs Information Retrieval System), eine Komponente des Gesamtsystems grips (General Relation Based Information Processing System). Später wurde für alle Komponenten des Datenbank- und Retrievalsystems nur noch der Markenname grips benutzt. Zahlreiche Fachinformationszentren übernahmen diese Anwendung für den Aufbau ihrer Datenbanken.

Bis 1976 indexierten die DIMDI-Beschäftigten noch bis zu 20.000 Artikel pro Jahr für MEDLARS/MEDLINE. Danach wurden zunächst externe Werkverträge vergeben, bis Anfang 1984 die Indexierung deutschsprachiger Artikel ganz vom Datenbankhersteller NLM übernommen wurde. Bis dahin hatte das DIMDI rund 150.000 medizinische Fachartikel verschlagwortet. Über Rechercheservice und Indexierung hinaus arbeitete das DIMDI seit 1974 mit am einheitlichen MEDLARS-Thesaurus der NLM (Medical Subject Headings, MeSH), den es bis heute ins Deutsche übersetzt.

Mit dem anstehenden Anschluss an EURONET wurden arbeitsaufwändige Systemanpassungen notwendig, um eine einheitliche Retrievalsprache für alle Nutzer in Europa zu ermöglichen.  Das DIMDI war im Gremium vertreten, das die internationale Common Command Language (CCL) entwickelt hatte. Im Grunde war CCL eine modifizierte Version von DIRS2 und wurde 1993 auch ISO-Standard. Nach Implementierung von CCL als internationale Kommandosprache stellte das DIMDI 1979 die erste, aus DIRS2 weiterentwickelte Version von grips (= DIRS3) vor. Mit der Eröffnung von EURONET und der Einführung von DATEX-P (1980) war es dann möglich, über Knoten in Paris, London, Frankfurt, Den Haag, und Rom bei mehreren Hosts in ganz Europa zu recherchieren - auch beim DIMDI.

Im Jahr 1978 verkaufte das DIMDI erstmalig sein Softwarepaket - Datenbanksystem, Kommandosprache, Kunden- und Abrechnungsverwaltung, das in der Folge sehr gefragt war. Der erste Kunde war das Informationszentrum Karlsruhe (INKA), weitere waren u. a. das Bundesgesundheitsamt, ZADI, Misereor, die Firma Braun Melsungen, die Generaldirektionen 9 und 13 in Luxemburg, die Deutsche Bibliothek und die Gesellschaft für Information und Dokumentation (GID) in Frankfurt/Main, das Deutsche Bibliotheksinstitut in Berlin, das Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in Trier, das Informationszentrum Sozialwissenschaften (IZ) in Bonn und schließlich 1994 das National Documentation Centre in Athen/Griechenland.

1981 belief sich der Bestand an Datenbanken in Deutschland auf rund 200, von denen 50 online abfragbar waren. Diese 50 verteilten sich auf zwei Hosts mit EURONET-Anschluss: das DIMDI und das INKA, das als Service-Rechenzentrum für die Fachinformationszentren (FIZ) 3 (Chemie), FIZ 5 (Hüttenkunde), FIZ 6 (Geowissenschaften), FIZ 8 (Bauwesen) und FIZ 16 (Technik) diente.

Das Angebot wächst ins Internet

1982 waren beim DIMDI 28 Datenbanken online und alle MEDLARS-Center der NLM weltweit hatten Zugriff auf das DIMDI. Zwei Jahre später wurden über das DIMDI die gewünschten Dokumente für Auftragsrecherchen aus dem Datenbanksystem heraus schon online bei Bibliotheken bestellt. 1987 war das Informationsangebot beim DIMDI auf 56 Datenbanken angewachsen.

1989 bot das DIMDI bereits eine menügeführte Recherchefunktion an (grips Menue), mit der auch Recherchelaien komfortabel in Datenbanken recherchieren konnten. Nachkommen von grips waren bis 2002 beim DIMDI in Betrieb. Die neue Generation der menügeführten Rechercheoberfläche ist seither die DIMDI SmartSearch. Für Recherche-Experten steht weiterhin die Kommandosprache DIMDI ClassicSearch zur Verfügung.

Den Schritt ins Internet machte das DIMDI bereits 1993 mit seinem Telnet-Zugang, ein Jahr später erschienen bereits die ersten statischen Internetseiten des DIMDI - die ersten Schritte auf dem Weg zum heute breiten Informationsangebot des DIMDI im Worldwide Web.

Mitte der 1980er Jahre begannen auf Seiten des Gesundheitsministeriums bereits die Überlegungen zum Einsatz von IT-Lösungen bei der Umsetzung von neuen Gesetzen, die zu vielen neuen Aufgaben mit Beginn der 1990er Jahre führten.

1992-2009: Schwerpunkt medizinische Begriffssysteme und Informationssysteme

Bereits Mitte der 80er Jahre zeichneten sich Änderungen für die Arbeitsaufträge des DIMDI ab: Das Gesundheitsministerium setzte auf IT-Unterstützung bei der Umsetzung von Gesetzen, die medizinische Inhalte berührten. Daraus ergaben sich in den Folgejahren viele neue Aufgaben für das DIMDI:

  • Herausgabe von Klassifikationen zur Verschlüsselung von Diagnosen und Prozeduren (Gesundheitsstrukturgesetz 1992, Krebsregistergesetz 1994 et al.)
  • Informationssystem für Medizinprodukte (Medizinproduktegesetz 1994 et al.)
  • Informationssystem für Arzneimittel (Arzneimittelgesetz 1998 et al.)
  • Informationssystem für Health Technology Assessment mit einem Programm zur Herausgabe von HTA-Berichten (GKV Gesundheitsreformgesetz, 2000 et al.)

Seit 1993 bzw. 1994 gibt das DIMDI die medizinischen Klassifikationen ICD und OPS in jährlichem Rhythmus heraus, die heute nicht mehr nur als Grundlage für die Erstellung von Statistiken und Registern dienen, sondern erheblich an Bedeutung gewonnen haben (siehe unten). 1995 wurde das Kuratorium für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen beim Bundesministerium für Gesundheit (KKG) gegründet. Die Geschäftsstelle ist beim DIMDI angesiedelt.

In den Anfängen des Informationssystems Medizinprodukte ab 1994 erfasste das DIMDI zunächst die Daten aus den eingereichten Formularen für die nach dem Medizinproduktegesetz abgegebenen Anzeigen von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika in Datenbanken. Im nächsten Schritt stellte das DIMDI Formulardateien auf Disketten, später auch über die Internetseiten zur Verfügung. Die Angaben aus den ausgefüllten elektronischen Formularen wurden vom DIMDI in die Datenbanken eingespeist. Mit dem Thema Medizinprodukte übernahm das DIMDI auch weitere klassifikatorische Aufgaben: z. B. 1997 die Herausgabe des deutschsprachigen UMDNS (Nomenklatur für Medizinprodukte).

Seit 1995 betreibt das DIMDI das Arzneimittel-Informationssystem (AMIS) der deutschen Zulassungsbehörden (BfArM, PEI, BVL) mit amtlichen Daten, die teilweise auch öffentlich zugänglich sind. Das Hosting des Ursprungsssystems des früheren Bundesgesundheitsamtes lag bereits seit 1982 in der Verantwortung des DIMDI.

Den ursprünglichen Auftrag, die Informationsversorgung, gewährleisteten zunehmend die Online-Recherchemöglichkeiten beim DIMDI. Immer mehr Informationsnetze und Informationsvermittlungsstellen standen für die Recherche mithilfe der Online-Dienste des DIMDI zur Verfügung. Seit 1995 sind die Datenbanken beim DIMDI auch über das Internet zu erreichen - damit noch leichter zugänglich und für jeden selbst recherchierbar.

Europäische Vernetzung

Prof. Dr. Harald Schweim (1996-2002) löste als Direktor des DIMDI Dr. Fritz nach dessen Pensionierung im Jahr 1996 ab. Der Pharmazeut war zuvor Leiter der Abteilung "Arzneimittelzulassungen" im BfArM gewesen. Unter der Leitung von Direktor Schweim ging das DIMDI mit seinem gesamten Angebot ins Internet und die Arbeiten an den neuen Informationssystemen für Arzneimittel, Medizinprodukte und Health Technology Assessment begannen.

1998 stellte das DIMDI die Auftragsrecherchen ein, doch das Datenbankangebot wuchs noch an bis zu 90 Datenbanken im Jahr 2002. Heute nimmt dasHosting von medizinischen Literatur- und Faktendatenbanken beim DIMDI nur noch einen kleinen Raum ein und ist vor allem eine flankierende Maßnahme für die speziellen Informationssysteme im gesetzlichen Auftrag. Die IT-Strukturen des DIMDI nutzten und nutzen seither zunehmend andere Bundesbehörden, so für das Hosting ihrer Internetseiten, als Reserveleistung eigener Systeme und als Entwicklungsplattform (z. B. BfArM, BZgA, ZB MED).

1998 ging auch das EU-Projekt EINS (European Information Network Services) in den Wirkbetrieb mit dem Ziel, über eine Oberfläche den Zugriff auf ein breites Spektrum von Datenbanken bei verschiedenen europäischen Datenbankhosts anzubieten. Das DIMDI trug mit den medizinischen Datenbanken wesentlich dazu bei. Die technischen Voraussetzungen für EINS gehen letztlich auf das EU-Projekt BRIDGE zurück, das schon 1993 die engere Zusammenarbeit europäischer Host-Dienste zum Ziel hatte, und das Projekt CIME.

BRIDGE schaffte das Gateway zu anderen Datenbanken, die man als sinnvolle Ergänzung des eigenen Angebots betrachtete, aus Kostengründen aber nicht selbst implementieren wollte. Die Verbundpartner des DIMDI in diesem Projekt waren die European Space Agency (ESA) und Questel, das französische Pendant des DIMDI. Andere Projekte wie beispielsweise das ADLIB (Advanced Database Linkages in Biotechnology) sammelten Erfahrungen mit der Verknüpfung von Datenbanken und dem Internet, mit der engeren Vernetzung der Angebote und Integration von Multimedia-Daten europäischer Hosts (CIME) oder mit der Verfügbarkeit von Ethik-Informationen (EUROETHICS). CIME und BRIDGE schafften letztlich die technischen Voraussetzungen, um mehrere europäische Datenbanken unter einem einzigen Vertrag und mit einer einheitlichen Recherche-Oberfläche im späteren Projekt EINS anzubieten. Das DIMDI war an allen Projekten maßgeblich beteiligt.

Qualitätssicherung

Bis zum Jahr 2000 setzte das DIMDI noch zentrale Großrechner (BS2000 Mainframe) als Datenbankserver ein, die im Folgenden durch eine moderne technische Unix-Plattform ersetzt wurden. Das bedeutete eine Portierung des gesamten Datenbanksystems sowie die anschließende Migration der Datenbanken und Anwendungen während des laufenden Betriebs. Portierung und Migration wurden planmäßig bis 2003 abgeschlossen. 

Im Jahr 2000 erhielt das DIMDI den gesetzlichen Auftrag zur Bewertung von gesundheitsrelevanten Verfahren - Health Technology Assessment (HTA). Dies umfasst neben Aufbau und Betrieb eines Informationssystems auch ein Programm zur Herausgabe von HTA-Berichten von ausgewiesenen wissenschaftlichen Experten. Die Deutsche Agentur für HTA des DIMDI wurde noch im Jahr 2000 gegründet (DAHTA@DIMDI) und vertritt das DIMDI auch auf internationaler Ebene in dieser Sache.

Die HTA-Arbeit des DIMDI wird unterstützt durch einen wissenschaftlichen Beirat, der vor allem in wissenschaftlicher Hinsicht berät, und durch das Kuratorium HTA mit Vertretern der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Das Kuratorium befasst sich unter anderem mit der Themenfindung und Prioritätensetzung für HTA-Berichte. In der eigenen DAHTA-Datenbank finden sich heute die vom DIMDI herausgegebenen HTA-Berichte (ca. 50 %) und Berichte von anderen nationalen Institutionen (u. a. IQWiG, KBV, G-BA) und internationalen Institutionen (u. a. in Kanada und Frankreich).

Ausbau der Informationssysteme

Ab 2000 leitete Direktor Schweim gleichzeitig auch kommissarisch das BfArM in Bonn. Im Jahr 2002 wurde er zu dessen Präsident ernannt und verließ das DIMDI. Neuer Direktor im DIMDI wurde Dr. Frank Warda (2002-2005). Der Arzt war zuvor als selbständiger Unternehmer im Bereich medizinischer Dokumentationssoftware und Praxis-EDV tätig. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Freischaltung der Informationssysteme für Health Technology Assessment und Medizinprodukte, Aufbau und Betrieb des elektronischen FachjournalsGerman Medical Science in Kooperation mit AWMF und ZB MED, der Start des Projekts PharmNet.Bund und die Erweiterung des Bereichs Klassifikationen um mehr Begriffssysteme als Grundlagen für den elektronischen Datenaustausch im Gesundheitswesen.

Der Aufbau des heutigen Medizinprodukte-Informationssystems war eine Pionierleistung des DIMDI, das Modell und Anstoß war für das entsprechende europäische Datenbanksystem. 2003 gingen beim DIMDI die erstenOnline-Erfassungssysteme mit Workflow-Komponenten und automatischen Benachrichtigungssystemen in Betrieb. Damit erfolgt die Anzeige von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika, klinischen Prüfungen/Leistungsbewertungsprüfungen etc. in Deutschland mittlerweile papierlos.

Im Bereich Arzneimittel-Informationen übernahm das DIMDI 2003 zusätzlich den technischen Betrieb des Systems zur dezentralen Zulassung für Arzneimittel in Europa, Communication and Tracking System (CTS), und setzte es auf eine neue technische Plattform um.

Das ressortübergreifende Projekt PharmNet.Bund startete 2004: Das Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder führt bundesweit vorliegende Arzneimitteldaten für die regulative Abwicklung und die Recherche zusammen. Dabei fungiert das DIMDI nicht nur als technische Plattform, sondern hat auch die Projektleitung inne. Seit 2004 gibt das DIMDI auch die deutschsprachige Fassung der Anatomisch-Therapeutisch-Chemischen (ACT)-Klassifikation mit definierten Tagesdosen heraus.

Ausbau der medizinischen Begriffssysteme

Die medizinischen Klassifikationen ICD und OPS dienen seit dem Jahr 2000 nicht mehr nur als epidemiologische Grundlage für die Erstellung von Statistiken und Registern: Sie haben als Grundlage für das Engeltsystem (G-DRG) zur Abrechnung der Leistungen in Klinik (G-DRG) und ärztlicher Praxis erheblich an Bedeutung gewonnen. Die internationale Expertise des DIMDI für medizinische Klassifikationen wurde 2003 bestätigt durch die Ernennung zum WHO-Kooperationszentrum für das System internationaler Klassifikationen.

Das DIMDI veröffentlicht und pflegt seit 2005 außerdem eine Reihe weiterer Klassifikationen sowie Terminologien und Ordnungssysteme (z. B. Alpha-ID, LOINC, OID, UCUM). Letztere dienen vor allem der einheitlichen medizinischen Dokumentation und unterstützen dadurch den elektronischen Datenaustausch im Gesundheitswesen (Gesundheitstelematik).

Seit 2003/2004 veränderte sich das Datenbankangebot beim DIMDI: Neue Datenbanken kamen hinzu, wenig genutzte und nicht mehr aktualisierte Datenbanken entfielen. Daraus ergab sich eine heute kleinere Anzahl von über 60 Datenbanken, die sich inhaltlich stärker auf die gesetzlichen Aufgaben fokussieren.

Vernetzung und Standardisierung

Im Dezember 2005 übernahm der Physiker Dr. Dietrich Kaiser zunächst kommissarisch, ab August 2006 hauptamtlich die Institutsleitung. Nach seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mit den Schwerpunkten Programmierung und Projektleitung begann er 1986 beim DIMDI als Systemanalytiker in der Software-Entwicklung. 1999 wurde er Gruppenleiter und zwei Jahre später Leiter der Abteilung Datenverarbeitung und Informationssysteme und damit der gesamten Technik im DIMDI. Als stellvertretender Direktor war er bereits seit 2002 an der Institutsleitung beteiligt.

PharmNet.Bund ging 2007 mit den ersten Teilprojekten "Elektronische Änderungsanzeigen" und "Clinical Trials" online. Das Arzneimittel-Informationssystem der deutschen Zulassungsbehörden ist seither ebenfalls in PharmNet.Bund integriert. Mitte 2008 ging die erste Stufe des sogenannten GMP-Registers zur "Good Manufacturing Practice" online. Damit werden Herstellungs- und Einfuhrerlaubnisse durch die Länderbehörden erfasst. Das Register unterstützt die Überwachung von Arzneimittel-Herstellung und -Qualitätssicherung. Im Dezember 2008 wurde das öffentliche Register nach Transfusionsgesetz §9 freigeschaltet. Das TFG-§9-Register enthält Angaben über Einrichtungen, die Blutstammzellzubereitungen in Deutschland herstellen oder einführen.

Das EU-Projekt epSOS (European Patients Smart open Services) wurde 2007 ins Leben gerufen mit dem Ziel, die europäischen Gesundheitssysteme stärker zu vernetzen und grenzüberschreitende Gesundheitsdienste zu entwickeln. Das DIMDI ist seit Projektstart maßgeblich daran beteiligt und in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv: semantische Interoperabilität, elektronisches Rezept und Patientenakte.

Darüber hinaus ist das DIMDI mittlerweile in verschiedenen Standardisierungsgremien vertreten, so im Normenausschuss Medizin des DIN. Als Delegierte des DIN sind Mitarbeiterinnen des DIMDI am internationalen Standardisierungsprozess der Technischen Komitees für Medizin beim CEN (TC251) und beim ISO (TC 215) beteiligt. Das DIMDI unterstützt das Joint Initiative Council, bestehend aus ISO, CEN, Health Level Seven (HL7), Clinical Data Standards Interchange Consortium (CDISD), International Health Terminology Standards Development Organisation (IHTSDO) u. a. bei der Entwicklung von gemeinsamen Standards in der Gesundheitstelematik. Zu den internationalen Diskussionspartnern des DIMDI zu diesen Themen gehören auch die EMA, die WHO und die European Health Telematics Association (EHTEL).

Das vom DIMDI entwickelte Classification Tool Kit (CTK) unterstützt seit 2008 die Pflege und jährliche Produktion der umfangreichen Dateipalette von ICD-10-GM und OPS. Auch die WHO und andere WHO-Klassifikationszentren setzen das CTK des DIMDI für ihre Arbeit ein. Im Juni 2008 wurde das DIMDI als WHO-Klassifikationszentrum für das System Internationaler Klassifikationen bestätigt und ist als solches nicht nur in technischen Arbeitsgruppen aktiv, sondern arbeitet auch in konzeptionellen Arbeitsgruppen der WHO-Klassifikationszentren maßgeblich mit.

Projekte

Insbesondere mit dem Versandapothekenregister bietet das DIMDI heute nicht mehr nur Informationen für Fachkreise, sondern für eine zunehmend breitere Öffentlichkeit. Das Register ging im April 2009 online und enthält Apotheken mit einer Versandhandelserlaubnis für Deutschland. Über das damit verknüpfte Sicherheitslogo bei zugelassenen Versandapotheken kann jeder überprüfen, ob für eine Apotheke eine Versandhandelserlaubnis vorliegt.

Als erste Bundesbehörde gab das DIMDI im Juni 2009 eine Herstellererklärung für die qualifizierte elektronische Signatur ab. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte diese Herstellererklärung im August 2009 für die Software DeSign Version 1.0.1, die das DIMDI entwickelt hat. Die Rechtssicherheit für den elektronischen Geschäftsverkehr wird durch die Verwendung sogenannter qualifizierter elektronischer Signaturen erreicht, die der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt sind. Mit Veröffentlichung der Herstellererklärung des DIMDI bestätigt die Bundesnetzagentur die Erfüllung der Bestimmungen gemäß Signaturgesetz.

Das DIMDI unterstützt mit DeSign zukünftig den rechtssicheren elektronischen Geschäftsverkehr in seinen Informationssystemen, beispielsweise Verfahren im Rahmen von PharmNet.Bund. Die erste Anwendung werden hier die Elektronischen Änderungsanzeigen im Rahmen des elektronischen Antragsverfahrens für die Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland sein.

Meilensteine des DIMDI

Die Liste der Meilensteine spiegelt die spannende Entwicklung des DIMDI wider:

Jahr Ereignis
1969 Gründung des DIMDI in Köln
20 Beschäftige Ende 1969
1970 Präsident: Dr. Rolf Fritz
1970
  • Auftragsrecherchen in MEDLINE
  • Start der Indexierung für MEDLARS der NLM
  • Retrievalsystem DIRS1 geht in Betrieb.
1971 DIMDI baut eigenes Rechenzentrum auf.
1974
  • DIMDI wird Fachinformationszentrum für "Gesundheitsversorgung, Medizin, Biologie und Sport".
  • DIMDI übersetzt MeSH-Thesaurus der NLM.
  • Retrievalsystem DIRS2 geht in Betrieb.
1975 Online-Recherchen in MEDLINE über DIMDINET
1976
  • 35 Beschäftigte im DIMDI
  • 3 Datenbanken beim DIMDI
  • Erste Informationsvermittler greifen aufs DIMDI zu.
1979 10 Jahre DIMDI
1979
  • 9 Datenbanken beim DIMDI online
  • Retrievalsystem DIRS3 geht in Betrieb. in der international standardisierten Common Command Language (CCL).
1980
  • 65 Beschäftigte im DIMDI
  • 16 Datenbanken online
  • Anschluss des DIMDI an Datex-P
  • Auftragsrecherchen beim DIMDI werden kostenpflichtig.
1982
  • 28 Datenbanken online
  • Alle MEDLARS-Center haben Zugriff aufs DIMDI.
1983
  • Retrievalsystem DIRS wird in die Marke grips umbenannt.
  • Hosting des Arzneimittel-Informationssystems des Bundesgesundheitsamts
1984
  • Recherchekomfort: Dokumente aus der DIMDI-Recherche online bei Bibliotheken bestellen
  • Indexierung wird eingestellt: 150.000 deutsche Fachartikel verschlagwortet
1985
  • 90 Beschäftigte im DIMDI
  • Anschluss des DIMDI an BTX
1986 Recherchekomfort: automatische Duplikateliminierung und Extract-Kommando zur Ermittlung relevanter Begriffe
1987 56 Datenbanken online
1989 20 Jahre DIMDI
1989
  • Recherchekomfort: erste menügeführte Rechercheoberfläche gripsMenue online
  • Recherchekurse und Handbücher werden kostenpflichtig.
1992 Neuer Auftrag: Medizinische Klassifikationen
1993
  • DIMDI gibt Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) in deutscher Sprache heraus
  • Recherchekomfort: in bis zu 64 Datenbanken (Superbases) gleichzeitig recherchieren
  • Anschluss des DIMDI ans Internet (Telnet)
1994 Neuer Auftrag: Medizinprodukte-Informationssystem
1994
  • DIMDI gibt Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) heraus.
  • Erste statische Internetseiten des DIMDI im WWW
1995 Neuer Auftrag: Arzneimittel-Informationssystem (AMIS) - Öffentlicher Teil beim DIMDI
1995
  • 105 Beschäftigte im DIMDI
  • Kuratorium für Fragen der Klassifikationen im Gesundheitswesen (KKG) beim DIMDI
  • Online-Recherchen beim DIMDI übers Internet (Webbrowser) mit der menügeführten grips-Websearch
1996 Direktor: Prof. Dr. Harald G. Schweim
1997
  • freier Zugriff auf MEDLINE beim DIMDI übers Internet
  • EUDAMED beim DIMDI: europäisches Medizinprodukte-Informationssystem
  • DIMDI gibt Nomenklatur für Medizinprodukte UMDNS in deutscher Sprache heraus.
1998
  • Auftragsrecherchen beim DIMDI nur noch für BMG/Ressort/Bund
  • EU-Projekt EINS geht in den Wirkbetrieb: DIMDI liefert Literaturdatenbanken
1999 30 Jahre DIMDI
1999 Neuer Auftrag: Informationssystem Health Technology Assessment (HTA)
2000
  • Gründung der Deutschen Agentur für HTA des DIMDI: DAHTA@DIMDI
  • DAHTA-Datenbank mit HTA-Berichten geht online.
  • 1. HTA-Symposium des DIMDI
  • Beginn der Migration des Datenbanksystems von Großrechnern auf eine moderne UNIX-Umgebung
2002 Direktor: Dr. Frank Warda
2002
  • Arzneimittel-Festbeträge beim DIMDI
  • Öffentliche HTA-Themendatenbank online
  • 90 Datenbanken online
  • MedPilot der ZB MED greift auch aufs DIMDI zu.
2003
  • Abschluss der Migration aller Datenbanken von Großrechnern auf die Unix-Umgebung
  • Ernennung zum WHO-Kooperationszentrum für das System der medizinischen Klassifikationen
  • Klassifikation der Krankheiten für die Onkologie (ICD-O-3) beim DIMDI
  • Online-Erfassungssysteme für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika beim DIMDI
  • eJournal German Medical Science (gms) online in Kooperation mit ZB MED und AWMF
  • CTS Communication and Tracking System beim DIMDI für die dezentrale Arzneimittelzulassung in EU
  • Neue Rechercheoberflächen DIMDI SmartSearch und DIMDI ClassicSearch online
  • DIMDI Webshop online
  • Begriffssysteme für den elektronischen Datenaustausch beim DIMDI
2004
  • Anatomisch-Therapeutisch-Chemische (ATC)-Klassifikation beim DIMDI
  • Nomenklatur für Labordaten LOINC beim DIMDI
  • Erste Überlegungen zu PharmNet.Bund
  • Online-Erfassungssystem für Medizinprodukte-Bescheinigungen online
2005
  • Alpha-ID zur Ergänzung der ICD-10 beim DIMDI
  • ePayment beim DIMDI: Zahlen per Kreditkarte
2006 Direktor: Dr. Dietrich Kaiser
2006
  • 130 Beschäftigte im DIMDI
  • Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) beim DIMDI
  • Objekt-Identifikatoren OID beim DIMDI
  • Ausgezeichnet mit dem "Prädikat behindertenfreundlich" des Landschaftsverbands Rheinland
2007
  • EU-Projekt epSOS zur Vernetzung der Gesundheitssysteme startet unter Beteiligung des DIMDI
  • PharmNet.Bund geht online mit Elektronische Änderungsanzeigen, Clinical Trials, Arzneimittelinformationen
  • Straffung des Angebots: 70 Datenbanken online
2008
  • DIMDI als WHO-Kooperationszentrum für das System der medizinischen Klassifikationen bestätigt
  • Classification Tool Kit: Pflegetool für Klassifikationen, ICD und OPS in Betrieb
  • PharmNet.Bund: GMP-Register online (Good Manufacturing Practice)
  • Standard für Maßeinheiten UCUM beim DIMDI
2009 40 Jahre DIMDI
2009
  • 116 Beschäftigte im DIMDI
  • PharmNet.Bund: TFG-§9-Register online (über Blutstammzellzubereitungen)
  • 233 HTA-Berichte in der DAHTA-Datenbank
  • Versandapothekenregister beim DIMDI
  • DIMDI gibt Herstellererklärung zur elektronischen Signatur ab.