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ICD-5 bis ICD-10: Archiv vervollständigt

22.01.2020
Das DIMDI hat mit der bisher noch fehlenden ICD-6 sein Archiv vervollständigt. Alle deutschsprachigen Fassungen der ICD, die seit 1949 in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR eingesetzt wurden, finden Sie nun unter Klassifikationen - Downloads.

Damit sind jetzt alle Fassungen der ICD entweder als direkt durchsuchbare Onlinefassung oder als eingescannte Druckfassung an einer Stelle vorhanden. Eine mühevolle Suche in Bibliotheken und Internet entfällt. Dies betrifft besonders die Fassungen der ICD aus DDR-Zeiten, zu denen uns viele Anfragen erreichten, die nun einfach beantwortet werden können.

ICD-Kodes im SV-Ausweis der DDR

Im "Ausweis für Arbeit und Sozialversicherung" (SV-Ausweis) der DDR wurden sämtliche Informationen zur Sozialversicherung, zur Arbeit (Schulabschluss, Ausbildung, Qualifizierungen, Arbeitgeber, Verdienst usw.) und zur Gesundheit (Diagnosen, ambulante und stationäre Heilbehandlungen und Krankschreibungen, die verordneten Heil- und Hilfsmittel, Reihenuntersuchungen und Schutzimpfungen usw.) festgehalten. Die Diagnosen waren allerdings nicht im Klartext, sondern verschlüsselt als Kodes enthalten. Von 1952 bis 1967 kam dabei das sog. DDR-Verzeichnis zum Einsatz, ab 1968 dann die ICD-8 und die ICD-9 in der jeweiligen DDR-Fassung. 

Sofern eine Ostfassung nicht als Onlinefassung direkt durchsuchbar ist, kann zunächst in der entsprechenden Westfassung gesucht werden und umgekehrt: Die deutschsprachigen ICD-Fassungen sind i.d.R. 1:1-Übertragungen der englischsprachigen ICD der WHO und dürften sich nicht in den Inhalten der Kodes, sondern lediglich in der Wortwahl unterscheiden. So könnte es z.B. sein, dass statt von "Beinen" in der einen Fassung in der anderen von "unteren Extremitäten" die Rede ist. Eine Kontrolle in der tatsächlich relevanten Fassung ist aber zu empfehlen.

Fundus für die medizinhistorische Forschung

Neben der Erforschung persönlicher Krankheitsgeschichten bietet das ICD-10-Archiv auch die Möglichkeit, die historische Entwicklung von Diagnosen zu erforschen – auch im internationalen Vergleich oder im Vergleich mit anderen Klassifikations- oder diagnostischen Systemen. Dies ist von besonderem Interesse bei Diagnosen und Befunden, die eng mit gesellschaftlichen, also kulturellen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen verknüpft sind wie z.B. psychosomatische, psychische und psychiatrische Erkrankungen oder Fragen der geschlechtlichen und sexuellen Identität.

Solche Untersuchungen sind nicht allein aus medizinischem Blickwinkel interessant. Sie erlauben auch aus linguistischer Sicht eine diachrone Betrachtung von sprachlichen Aspekten. So kann z.B. untersucht werden, inwieweit im Zeitverlauf lateinische und griechische Krankheitsbezeichnungen in der ICD abnehmen und stattdessen Bezeichnungen aus dem angloamerikanischen Sprachraum benutzt werden oder inwieweit diskriminierende Krankheitsbezeichnungen vermieden werden.

Auch die Versionen und Revisionen der ICD selbst bieten sich als Forschungsthema an. Dies könnte von besonderem Interesse sein, nachdem die WHO beschlossen hat, die ICD-10 nicht weiter zu pflegen: Im Mai 2019 hat die WHA die gegenüber der ICD-10 in Bezug auf Inhalte (medizinisch-wissenschaftliche Aspekte), Struktur (klassifikatorische Aspekte) und Konzeption (informationstechnologische Aspekte) grundlegend weiterentwickelte Revision ICD-11 verabschiedet.

Kontakt

Klassifikationen Tel.: +49 221 4724-524

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