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ICD-11 - 11. Revision der ICD der WHO

Buch:cover ICD-11 der WHO

Die ICD dient weltweit zur Verschlüsselung von Diagnosen. Die derzeit gültige Revision ist die ICD-10. An der Pflege und Weiterentwicklung dieser und anderer Klassifikationen der WHO beteiligt sich als WHO-Kooperationszentrum für das System Internationaler Klassifikationen auch das DIMDI. Parallel zur Weiterentwicklung der ICD-10 der WHO wird an einer grundlegenden 11. Revision gearbeitet. Die ICD-11 soll 2018 von der WHO verabschiedet werden. Über den Zeitpunkt einer möglichen Einführung der ICD-11 in Deutschland sind noch keine Aussagen möglich.

Mit Hilfe des ICD-11-Browsers der WHO können Sie sich einen Eindruck über die aktuelle Entwurfsfassung Beta Draft verschaffen.

Bitte beachten Sie: Die ICD-11 Beta Draft ist noch in der Entwicklung, auch alle Beschreibungen auf dieser Seite beziehen sich auf den Stand 12/2016.

Ziel der 11. Revision

Ziel der 11. Revision der ICD ist es, auf einer kohärenten Datenbasis Klassifikationen für unterschiedliche Anwendungsbereiche als internationalen Standard für Wissenschaft, Kommunikation und Information in der Medizin zu erstellen. Dabei soll die einfache Integration in IT-Systemumgebungen auch für die Zukunft sichergestellt sein.

Dazu wird das Systematische Vereichnis (Band 1) der ICD in Bezug auf

  • Inhalte (medizinisch-wissenschaftliche Aspekte),
  • Struktur (klassifikatorische Aspekte) und
  • Konzeption (informationstechnologische Aspekte)

weiterentwickelt, und zwar unter Einbeziehung internationaler Expertise sowie der interessierten Öffentlichkeit.

Das Regelwerk (Band 2) wird ebenfalls umfangreich überarbeitet und deutlich erweitert, vor allem bezüglich der Morbiditätsverschlüsselung.

Auch ein Alphabetisches Verzeichnis (Band 3, "Index") wird es zur ICD-11 geben, dies wird allerdings voraussichtlich nicht mit der bisherigen Druckausgabe mit manuell bearbeiteten Permutationen und bis zu 7 Einzugsebenen vergleichbar sein. Hier wird der Fokus eher auf einer EDV-Fassung mit Suchfunktion (Coding tool) und einer automatisch erstellbaren Druckausgabe liegen, die ohne Permutationen mit nur zwei Einzugsebenen für den Leitbegriff und die spezifischen Einträge auskommt.

Einen Überblick über die überragende Bedeutung der ICD für die Gesundheit der Welt geben die Eröffnungsrede der WHO-Direktorin Dr. Magret Chan auf der ICD-11 Revisionskonferenz in Tokyo vom 12. Oktober 2016 und ein kleiner WHO-Film.

Aspekte für Deutschland

Die ICD-10 der WHO wird in Deutschland für die Kodierung der Todesursachen für die internationale Todesursachenstatistik eingesetzt. Als modifizierte ICD-10-GM (German Modification) dient sie in vielen Anwendungssystemen der Kodierung der Morbidität. Viele etablierte Prozesse basieren auf der ICD-10-GM: z.B. Abrechnung stationärer und ambulanter Leistungen, Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich, Qualitätssicherung, Epidemiologie und Statistik.

Während eine Übernahme der ICD-11 für die Todesursachenkodierung vergleichsweise leicht umsetzbar ist, erfordert eine Übernahme für die Morbiditätskodierung in der Regel vielfältige länderspezifische Anpassungen. Dies gilt auch für Deutschland.

DIMDI an Entwicklung der ICD-11 intensiv beteiligt

Das DIMDI ist als WHO-Kooperationszentrum für Deutschland an der Weiterentwicklung der ICD-11 intensiv beteiligt und nutzt dabei seine langjährige Erfahrung mit der Modifikation, Pflege und Anwendung der ICD-10. Gemeinsam mit Australien leitet das DIMDI die sog. "Joint Task Force", die die WHO zu den Anwendungsbereiche Mortalität und Morbidität berät und entsprechende Entscheidungen vorbereitet. So konnten viele für Deutschland als wichtig erachtete Aspekte bereits in der Entwicklungsphase eingebracht und in der ICD-11 Beta Draft berücksichtigt werden.

Die ICD-11 bietet weitreichende Chancen wie z.B. die Bereitstellung einer umfangreichen Datenbasis mit medizinischen Begriffen und Konzepten, aus der je nach Anwendungszweck spezifische Klassifikationen oder Klassifikationsausschnitte generiert werden können, oder die Vernetzung mit anderen Terminologien und Klassifikationen.

Erforderliche Adaptionsschritte

Über den Zeitpunkt einer möglichen Einführung der ICD-11 in Deutschland einerseits zur Mortalitätsverschlüsselung und andererseits zu Verschlüsselung der Morbidität sind noch keine Aussagen möglich. Insbesondere bezogen auf die Morbiditätsverschlüsselung sind noch viele Arbeitsschritte erforderlich, die erst auf der finalen Fassung der ICD-11 aufsetzen können. Erste Vorarbeiten in Bezug auf die Übersetzung wurden bereits in Angriff genommen. Sich anschließen werden Phasen der Validierung der Übersetzung und ggf. der Modifikation der ICD-11 für die Morbiditätsverschlüsselung, also die Weiterentwicklung der WHO-Fassung zu einer an die Erfordernisse des deutschen Gesundheitswesens angepassten GM-Fassung. Parallel dazu müssen dann auch die Anwendungssysteme, also die Entgelt- und Qualitätssicherungssysteme, aber auch z.B. der Morbi-RSA an den neuen Diagnosenschlüssel angepasst werden.

Transparenter Revisionsprozess

Durch die neuartige Architektur zeichnet sich die ICD-11 durch große Flexibilität aus. Die damit einhergehende erhöhte Komplexität ist aber gleichzeitig eine große Herausforderung für die Anwenderländer, deren Bewertung sich die ICD-11 in der Testungs- und Kommentierungsphase stellen muss. Auch für Deutschland ist die ICD-11 mit ihrem erweiterten Konzept genau zu überprüfen.

Die WHO hat schon frühzeitig eine erste Beta-Draft-Fassung und ein Vorschlagstool bereitgestellt und die interessierte Öffentlichkeit aufgefordert, die Beta Draft zu kommentieren und Vorschläge zu unterbreiten. Erwünscht waren ausdrücklich Vorschläge und Kommentare auch aus Deutschland. Auch wurden Wissenschaftler zur Teilnahme am wissenschaftlichen Review-Prozess und an Feldversuchen aufgefordert.

Das DIMDI empfiehlt deutschen Experten und Interessensgruppen, sich auch weiterhin intensiv an Testung und Kommentierung der ICD-11 Beta Draft zu beteiligen. Dies soll sicherstellen, dass nationale Anforderungen an die ICD-11 so gut wie möglich berücksichtigt werden.

Testen und Chance zur Kommentierung nutzen

Die WHO hat auf ihrer Website eine Onlinefassung zur ICD-11 Beta Draft veröffentlicht, die täglich aktualisiert wird. In diesem ICD-11-Browser können Sie Ihre Anmerkungen und Vorschläge direkt eingeben.

Allgemeine Informationen im Zusammenhang mit der ICD-11 finden Sie auf den Webseiten der WHO, z.B. auch einen auf der Website publizierten Newsletter, der jeweils über den aktuellen Stand der Revisionsarbeiten berichtet.