DIMDI medizinwissen, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information

Institut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)


Seitentitel: DIMDI - ICD-11 - Architektur - Foundation, Linearization, Coding tool
Webadresse,URL: http://www.dimdi.de/de/klassi/icd-11/architektur.htm

Architektur der ICD-11

Das Ziel der 11. Revision ist es, kohärente Diagnosenklassifikationen für unterschiedliche Anwendungsbereiche zu schaffen, die medizinisch-wissenschaftlich und informationstechnologisch auf aktuellem Stand ist. Dieses Ziel findet seinen Niederschlag in einer gegenüber der ICD-10 neuen und andersartigen Architektur:

Während die ICD-10 statisch ist, besteht die ICD-11 aus einer umfassenden Datenbasis/Datenbank.

Eine Software kann dann aus dieser Sammlung von Entitäten Teilmengen für bestimmte Anwendungszwecke extrahieren, erstellt also unterschiedliche Klassifikationen für verschiedene Zwecke, Druckausgaben, Überleitungen zur ICD-10 usw. Auch ein Kodiertool sowie weitereTools, z.B. zur Unterstützung von Übersetzungen, sind Bestandteil der ICD-11.

Zur Betrachtung der ICD-11 gibt es einen ICD-11-Browser.

ICD-11 Version 2018

Sammlung von Entitäten als Datenbasis: "Foundation"

Klassifikationselemente sind zum Einen wie bisher medizinische Begriffe und Konzepte für Krankheiten, Gesundheitsprobleme, Syndrome, Krankheitszeichen, Symptome, abnormale Befunde, Beschwerden, soziale Umstände, äußere Ursachen von Verletzungen usw., die Datenbasis umfasst also laut WHO den "ganzen ICD-Kosmos".

Neu ist, dass auch Kapitel und Gruppen als Entitiäten betrachtet werden und in der Datenbasis enthalten sind. Außer der jeweiligen Vorzugsbezeichnung einer Entität sind auch Synonyme und Quasisynonyme berücksichtigt. Nicht berücksichtigt sind in der Foundation die sog. Restklassen für "sonstige näher bezeichnete" und "nicht näher bezeichnete" Krankheiten usw.

Jede Entität hat eine eindeutige, unveränderliche Identifikationsnummer, die bzgl. ihrer Funktion der Alpha-ID entspricht. Beschrieben werden die Entitäten jeweils durch eine Reihe von Einzelinformationen ("content model parameters"). Zwischen den Entitäten gibt es vielfältige Links, die ihre Beziehungen untereinander festlegen, z.B. Eltern-Kind-Beziehungen oder Synonymie. Dabei schließen sich die Entitäten der Foundation nicht wechselseitig aus und eine Entität kann mehr als ein Elternelement haben ("Multi-Parenting").

Die WHO stellt umfangreiche Software und Tools zur Unterstützung bei Anwendung, Pflege, Mapping, Übersetzung usw. bereit.

Alpha-ID zur ICD-10-GM

Darstellung zweckbezogener spezifischer Teilmengen: "Linearizations"

Aus der Datenbasis können spezifisch für den jeweiligen Anwendungszweck ("use case") Teilmengen ("Subsets"), also Klassifikationen, extrahiert werden, die sog. Linearizations.

In den Linearizations schließen sich - wie es für eine Klassifikation erforderlich ist - die Entitäten ("stem codes") wechselseitig aus ("mutually exclusive") und jede Entität hat nur ein originäres Elternelement ("primary parent"). Eine Entität kann also in der Foundation mehr Kindelemente haben als in einer Linearization. Diese "überzähligen" Kindelemente ("grey children") können in der Klassifikation in grauer Schrift eingeblendet werden.

Die in der Foundation nicht berücksichtigen Restklassen für "sonstige näher bezeichnete" und "nicht näher bezeichnete" Krankheiten usw. sind für Klassifikationen unabdingbar. Daher werden im Rahmen von Linearizations diese Restklassen für jede Gruppe von Entitäten, also für Kapitel, Gruppen, Untergruppen und Kategorien, die weitere Subkategorien haben, automatisch generiert.

ICD-11 MMS als Teilmenge für Morbiditäts- und Mortalitätskodierung

In der ICD-11 Beta Draft ist als Linearization, also als spezifische Teilmenge, die Klassifikation "ICD-11 Morbidity and Mortalitiy Statistics" (ICD-11 MMS) realisiert, in der die beiden Hauptanwendungsgebiete der ICD, die Kodierung der Morbidität und die Kodierung der Mortalität, berücksichtigt sind. Die MMS enthält z.B. die Kategorien für die internationale Berichterstattung für die Todesursachenstatistik.

Diese ICD-11 MMS ist damit die designierte Nachfolgerin der ICD-10 der WHO. Sie wurde im Juni 2018 von der WHO vorgestellt und kann als Release-Fassung Version 2018 im ICD-11-Browser angesehen werden. Informationen zum Aufbau finden Sie auf unserer Webseite:

ICD-11 MMS Aufbau