Zum Textbeginn - [Accesskey + 1] Zur Navigation - [Accesskey + 2] Zur Marginalspalte - [Accesskey + 3]

Navigation

lokaler Servicebereich (Marginalspalte)

Seiteninhalt/Textbeginn

Kategorie und Kode in der ICD-10-WHO

Die folgenden Erläuterungen zu Kategorien, Klassentitel und Kodes sowie Inklusiva und Exklusiva u.a. dienen einem ersten Verständnis der ICD-10-WHO. Das Kodieren erfordert die Kenntnis des ausführlichen Regelwerkes in Band 2.

Kategorie, Klassentitel und Kode

Das zentrale Element des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10-WHO ist die dreistellige Kategorie, der Dreisteller. Die Überschrift der Kategorie wird als Klassentitel bezeichnet, dem Klassentitel ist ein dreistelliger alphanumerischer Kode zugeordnet, im Druckbild schwarz hinterlegt:

Screenshot: D27 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 1: Einfacher Dreisteller

Einige der dreistelligen Kategorien wie z.B. "A38 Scharlach" stehen für einzelne Krankheitszustände; meistens jedoch werden in einer dreistelligen Kategorie mehrere Krankheiten mit gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst, in D27 z.B. verschiedene gutartige Neubildungen des Ovars. Ein "und" im Klassentitel steht für "und/oder", eckige Klammern enthalten Synonyme, runde Klammern optionale Ergänzungen.

Die unter einer Kategorie des Systematischen Verzeichnisses aufgeführten Bezeichnungen sind nicht abschließend; sie dienen als Beispiele für den Inhalt der Kategorie und als Hinweise für deren Umfang und Abgrenzung. Dabei werden sog. Vorzugsbezeichnungen verwendet. Das zugehörige Alphabetische Verzeichnis dagegen enthält neben diesen Vorzugsbezeichnungen auch viele andere, zurzeit gebräuchliche Diagnosenbezeichnungen, also z.B. Synonyme und Quasisynonyme.

Die wenigsten Kategorien sind so einfach aufgebaut wie D27.

Drei- und vierstellige Kategorien

Fast alle Kategorien haben vierstellige Subkategorien. Die vierte Stelle im Kode wird durch einen Punkt vom Dreisteller getrennt. Sie kann jeweils die Werte 0 bis 9 haben, es müssen nicht alle Werte besetzt sein. Mit 8 und 9 endende Subkategorien sind in der Regel sog. Restgruppen: 8 steht für "sonstige näher bezeichnete" und 9 für "nicht näher bezeichnete" Zustände dieser Kategorie. Kodes, die keine Subkategorien mehr haben, werden als endständige Kodes bezeichnet. Grundsätzlich gilt die Regel, so spezifisch wie möglich zu kodieren, d.h., wenn es innerhalb der Kategorie Subkategorien gibt, sind diese zu verwenden. Für das Berichtswesen auf internationaler Ebene sind jedoch nur die Dreisteller verbindlich. Die Dreistellige allgemeine Systematik (DAS) der ICD-10-WHO enthält neben den Kapitel- und Gruppenüberschriften alle dreistelligen Kategorien, ohne Subkategorien und ohne Hinweise.

Screenshot: C74 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 2: Dreistellige Kategorie mit drei vierstelligen Subkategorien

Fünfstellige Kategorien: Subklassifikation für die fünfte Stelle

Fünfstellige Subkategorien gibt es in den Kapiteln XIII, XIX und XX. Sie sind in der Druck- und HTML-Ausgabe (Buchfassungen) der Systematik nicht explizit als Fünfsteller enthalten, sondern müssen vom Kodierer anhand von Kodierhinweisen und Subklassifikation (Liste mit möglichen Werten für die fünfte Stelle) selbst gebildet werden. Im folgenden Beispiel S72 wird an die Viersteller auf der fünften Stelle für eine offene Fraktur eine 1 angehängt, ist die Fraktur geschlossen oder gibt es keine nähere Angabe dazu, wird eine 0 angehängt. Eine "offene distale Fraktur des Femurs" wird also mit S72.41 kodiert. 

Screenshot: S72 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 3: Dreistellige Kategorie mit Subklassifikation für die fünfte Stelle

Auf diese Weise gebildete Kodes werden als postkombinierte Kodes bezeichnet. Bezieht sich die Subklassifikation auf ein ganzes Kapitel oder eine ganze Gruppe von Kategorien, wird sie dem Kapitel oder der Gruppe vorangestellt. Das ist z.B. im Vorspann von Kapitel XIII mit der Liste zur Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung der Fall.

Kreuz-und Sternschlüsselnummern im Kreuz-Stern-System

Die meisten Kodes enthalten außer ggf. dem Punkt keine Sonderzeichen. Es gibt jedoch zwei besondere Arten von Kodes, sie sind mit einem Kreuz bzw. einem Stern gekennzeichnet:

Screenshot: A17.9 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 4: Kreuzkode mit referenziertem Sternkode

Screenshot: G99.8 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 5: Sekundärer Sternkode

Im Normalfall wird in der ICD jede Krankheit unter einem einzigen Gesichtspunkt klassifiziert, d.h. es wird genau 1 Kode zugeordnet. Im sog. Kreuz-Stern-System können Krankheiten unter zwei Gesichtspunkten klassifiziert werden, nämlich nach Ätiologie und Manifestation. Der Krankheit wird dann eine Kombination aus einer Kreuzschlüsselnummer für die  Ätiologie und einer Sternschlüsselnummer für die Manifestation zugeordnet: A17.9+ G99.8*. Details und Beispiele zum Kreuz-Stern-System finden Sie im Regelwerk.

Kreuzschlüsselnummern

Kreuzschlüsselnummern klassifizieren die Ätiologie. Kreuzkodes sind primäre Schlüsselnummern, d.h. sie können, müssen aber nicht mit einer Sternschlüsselnummer kombiniert werden. Häufig wird bei Kreuzkodes der fakultativ zu ergänzende Sternkode angegeben. Abgesehen von den als Kreuzkodes markierten Kodes kann jeder beliebige primäre Kode als Ätiologiekode benutzt und mit einem Sternkode kombiniert werden. In diesem Fall wird der Ätiologiekode vom Kodierer mit einem Kreuz markiert.  

Sternschlüsselnummern

Sternschlüsselnummern stehen für die Manifestation einer Erkrankung. Sie dürfen als sog. sekundäre Schlüsselnummern niemals alleine verwendet werden; sie dürfen nur zur Mehrfachkodierung im sog. Kreuz-Stern-System, d.h. immer gemeinsam mit einem Kreuzkode oder einem anderen Primärkode benutzt werden. Häufig wird bei Sternkodes der dazugehörende Kreuzkode angegeben.

Definitionen, Inklusiva, Exklusiva und weitere Elemente

Innerhalb der Kapitel, Gruppen und Kategorien gibt es oft verschiedene klarstellende Hinweise, sie werden hier an beispielhaften Kategorien der ICD-10-WHO Version 2006 vorgestellt. Stehen derartige Hinweise nach einer Kapitelüberschrift, gelten sie für alle Kategorien des Kapitels, stehen sie nach einer Gruppenüberschrift, gelten sie für alle Kategorien der Gruppe; stehen sie nach einer Kategorienüberschrift, gelten sie für die Kategorie und alle ihre Subkategorien.

Definitionen

Gelegentlich - insbesondere in Kapitel V - werden direkt unter dem Klassentitel Definitionen zu dem im Klassentitel bezeichneten Krankheitsbild gegeben:

Screenshot: F01 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 6: Kategorie mit Definition and Inklusivum

Inklusiva und Exklusiva

Ein- und Ausschlussvermerke weisen daraufhin, welche Krankheiten unter eine bestimmte Kategorie fallen und welche nicht. Einschlussvermerke werden oft, aber nicht immer durch ein der Krankheitsbezeichnung vorangestelltes " Inkl.:" (für Inklusivum) gekennzeichnet. Ausschlussvermerke sind immer durch ein vorangestelltes " Exkl.:" (für Exklusivum) zu erkennen. Bei den im Ausschlussvermerk genannten Krankheiten wird in runden Klammern der Kode der zutreffenden Kategorie genannt.

Wie bei Klassentiteln können auch bei Einschlussdiagnosen in runden Klammern ergänzende optionale Wörter angegeben werden. Im folgenden Beispiel I10 fällt die Einschlussdiagnose "Hypertonie" in jedem Fall unter die Kategorie I10, völlig unabhängig davon, ob die Bezeichnung "Hypertonie" durch einen oder mehrere der in Klammern genannten Ausdrücke spezifiziert ist:

Screenshot: I10 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 7: Kategorie mit Inklusivum und Exklusivum

Listen und Tabellen

In Ein- und Ausschlussvermerken können wie z.B. bei I10 oder I24.0 unter einem Begriff Listen auftreten; dabei ist der Begriff als Listenüberschrift durch einen Doppelpunkt von der Liste getrennt. Die Listenüberschrift kann eine Krankheitsbezeichnung oder ein unvollständiger Satzteil wie in I10 sein, aber auch ein alleinstehendes Adjektiv wie "akut" oder "ischämisch" oder ein Wortbestandteil wie "Koronar". Die Listen enthalten mögliche Ergänzungen zur Listenüberschrift; nur wenn diese durch mindestens eine der in der Liste enthaltenen Bezeichnungen ergänzt ist, fällt der so bezeichnete Zustand unter die Kategorie. 

Screenshot: I24.0 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
fig. 8: Vierstellige Kategorie mit Tabelle im Inklusivum

Oft sind diese Listen zweispaltige Tabellen: einer Anzahl von Begriffen in Spalte 1 sind (getrennt z.B. durch einen senkrechten Strich oder geschweifte Klammern) in Spalte 2 ein oder auch mehre Begriffe gegenübergestellt. Jeder Begriff in Spalte 1 muss mit mindestens einem Begriff aus Spalte 2 zusammen auftreten, damit der so bezeichnete Zustand unter die Kategorie fällt. Korrekte Krankheitsbezeichnungen, die unter die Subkategorie I24.0 fallen, sind z.B. "Embolie der Koronararterien ohne nachfolgenden Myokardinfarkt" oder "Koronarverschluss ohne nachfolgenden Myokardinfarkt". Die Begriffe in den runden Klammern in der Listenüberschrift sind optional, ansonsten muss in der Bezeichnung neben der Listenüberschrift "Koronar" aus jeder Spalte mindestens ein Begriff enthalten sein.

Hinweise und Kodierhinweise

Durch ein vorangestelltes " Hinw.:" ausgewiesene Hinweise enthalten weitere Informationen:

Screenshot: C85.1 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 9: Kategorie mit Hinweis

Kodierhinweise geben z.B. an, ob zusätzliche Schlüsselnummern angewendet werden können oder eine Subklassifikation angewendet werden soll:

Screenshot: D59.2 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
fig. 10: Vierstellige Kategorie mit Inklusivum und Kodierhinweis

Punkt-Strich-Notation und weitere formale Vereinbarungen

Punkt-Strich-Notation: Bei in Ausschlussvermerken genannten zutreffenden Kodes werden Dreisteller, die in Subkategorien differenziert sind, in der sog. Punkt-Strich-Notation angeben, statt (B69) wird also (B69.-) angegeben. Hierdurch wird der Kodierer darauf hingewiesen, dass es in der Kategorie Subkategorien gibt und er dort den für seinen Fall passenden spezifischen Kode heraussuchen soll:

Screenshot: B68 - ICD-10-WHO-Ausgabe Version 2006
Abb. 11: Punkt-Strich-Notation in der Referenz eines Exklusivums

Eckige Klammern hinter Klassentiteln und Inklusiva enthalten synonyme Bezeichnungen, runde Klammern hinter Klassentiteln, Inklusiva und Exklusiva enthalten optionale Bezeichnungsbestandteile.