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Kategorie und Kode in der ICD-10-GM

ICD-10-GM-Kodes sind maximal fünfstellig und alphanumerisch: Jeder Kode beginnt mit einem großgeschriebenen Buchstaben, dem ausschließlich Ziffern folgen.

Die folgenden Erläuterungen zu Kategorie, Klassentitel und Kode sowie zu Inklusiva, Exklusiva und anderen Klassenattributen dienen einem ersten Verständnis der ICD-10-GM. Das Kodieren erfordert die Kenntnis der "Anleitung zur Verschlüsselung" im Vorspann der ICD-10-GM sowie ggf. bereichsspezifischer Kodierrichtlinien.

Kategorie, Klassentitel und Kode

Das zentrale Element des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10-GM ist die dreistellige Kategorie, der Dreisteller. Die Bezeichnung einer Kategorie wird als Klassentitel bezeichnet. Dem Klassentitel ist eine dreistellige, alphanumerische Notation, der Kode, zugeordnet; er ist im Druckbild schwarz hinterlegt:

Screenshot: D27 - ICD-10-GM Version 2010
Abb 1: Einfacher Dreisteller

Oft wird der Bezeichnung "Kode" synonym verwendet für "Kategorie".

Einige der dreistelligen Kategorien wie z.B. "A38 Scharlach" stehen für einzelne Krankheitszustände; meistens jedoch werden in einer dreistelligen Kategorie mehrere Krankheiten mit gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst, in D27 z.B. verschiedene gutartige Neubildungen des Ovars. Ein "und" im Klassentitel steht auf dieser Ebene für "und/oder", eckige Klammern enthalten Synonyme, runde Klammern optionale Ergänzungen.

Die unter einer Kategorie des Systematischen Verzeichnisses aufgeführten Bezeichnungen sind nicht abschließend; sie dienen als Beispiele für den Inhalt der Kategorie und als Hinweise für deren Umfang und Abgrenzung. Dabei werden sog. Vorzugsbezeichnungen verwendet. Das zugehörige Alphabetische Verzeichnis dagegen enthält neben diesen Vorzugsbezeichnungen auch viele andere, zurzeit gebräuchliche Diagnosenbezeichnungen, also z.B. Synonyme.

Die wenigsten Kategorien sind so einfach aufgebaut wie D27. Kode und Klassentitel können ergänzt sein durch Subkategorien und Klassenattribute.

Drei-, vier- und fünfstellige Kategorien

Fast alle Kategorien haben vier- oder sogar fünfstellige Subkategorien, dies ist dann an der Punkt-Strich-Notation des Dreistellers zu erkennen.

Screenshot: D16 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 2: Dreistellige Kategorie mit Punkt-Strich-Notation

Die vierte und fünfte Stelle im Kode werden durch einen Punkt vom Dreisteller getrennt. Sie können jeweils die Werte 0 bis 9 haben, es müssen nicht alle Werte besetzt sein. Mit 8 und 9 endende Subkategorien sind in der Regel sog. Restgruppen: 8 steht für "sonstige näher bezeichnete" und 9 für "nicht näher bezeichnete" Zustände dieser Subkategorie. Kodes, die keine Subkategorien haben, werden als endständige Kodes bezeichnet. Grundsätzlich gilt die Regel, so spezifisch wie möglich zu kodieren, d.h., wenn es innerhalb der Kategorie Subkategorien gibt, sind diese zu verwenden. Das folgende Beispiel zeigt die Subkategorie D16.7- der Kategorie D16.-. Vier- und Fünfsteller, die wie im Beispiel explizit in der Systematik genannt sind, heißen präkombinierte Kodes.

Screenshot: D16.7 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 3: Vierstellige Kategorie mit drei fünfstelligen Subkategorien

Vier- und fünfstellige Kategorien: Subklassifikation für die vierte und fünfte Stelle

Einige vier- oder fünfstellige Subkategorien sind in der Druck- und HTML-Ausgabe (Buchfassungen) der Systematik nicht explizit als Vier- oder Fünfsteller enthalten, sondern müssen vom Kodierer anhand von Kodierhinweisen und einer Subklassifikation (Liste mit möglichen Werten für die vierte oder die fünfte Stelle) gebildet werden. Im folgenden Beispiel T08.- wird an den Dreisteller auf der vierten Stelle für eine offene Fraktur eine 1 angehängt; ist die Fraktur geschlossen oder gibt es keine nähere Angabe dazu, wird eine 0 angehängt. Eine "offene distale Fraktur der Wirbelsäule, Höhe nicht näher bezeichnet" wird also mit T08.1 kodiert.

Screenshot: T08 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 4: Dreistellige Kategorie mit Subklassifikation für die 4. Stelle

Auf diese Weise gebildete Kodes werden als postkombinierte Kodes bezeichnet. Vereinzelt gibt es Kodes, auf die zwei verschiedene Subklassifikationen anzuwenden sind, z.B. bei der Gruppe E10-E14, bei der sowohl die vierte als auch die fünfte Stelle über eine eigene Subklassifikation gebildet wird. Bezieht sich die Subklassifikation auf ein ganzes Kapitel oder eine ganze Gruppe von Kategorien, wird sie dem Kapitel oder der Gruppe vorangestellt und in den einzelnen Kategorien wird darauf hingewiesen.

Primär- und Sekundärkodes

Die meisten Kodes enthalten außer ggf. dem Punkt und dem Bindestrich keine Sonderzeichen. Es gibt jedoch drei besondere Arten von Kodes, sie sind mit einem Kreuz, einem Stern oder einem Ausrufezeichen gekennzeichnet:

Screenshot: A.17.9 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 5: Kreuzkode mit zugeordnetem Sternkode

Screenshot: G99.8 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 6: Sternkode

Screenshot: B95 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 7: Ausrufezeichenkode oder optionaler Kode

Im Normalfall wird in der ICD jede Krankheit unter einem einzigen Gesichtspunkt klassifiziert, d.h. jeder Krankheit wird genau 1 Kode zugeordnet. Im sog. Kreuz-Stern-System können Krankheiten unter zwei Gesichtspunkten klassifiziert werden, nämlich nach Ätiologie und Manifestation. Der Krankheit wird dann eine Kombination aus einer Kreuzschlüsselnummer für die Ätiologie und einer Sternschlüsselnummer für die Manifestation zugeordnet: A17.9+ G99.8*. Details und Beispiele zum Kreuz-Stern-System finden Sie in der Anleitung zur Verschlüsselung im Vorspann der ICD-10-GM.

Kreuzschlüsselnummern: Primärkodes

Kreuzschlüsselnummern klassifizieren nach der Ätiologie. Kreuzkodes sind primäre Schlüsselnummern, d.h. sie können, müssen aber nicht mit einer Sternschlüsselnummer kombiniert werden. Häufig wird bei Kreuzkodes der fakultativ zu ergänzende Sternkode angegeben. Abgesehen von den als Kreuzkodes markierten Kodes kann jeder beliebige primäre Kode als Ätiologiekode benutzt und mit einem Sternkode kombiniert werden. In diesem Fall wird der Ätiologiekode vom Kodierer mit einem Kreuz ergänzt. 

Sternschlüsselnummern: Sekundärkodes

Sternschlüsselnummern stehen für die Manifestation einer Erkrankung. Sie dürfen als sog. sekundäre Schlüsselnummern niemals alleine verwendet werden. Sie dürfen nur zur Mehrfachkodierung im sog. Kreuz-Stern-System, d.h. immer gemeinsam mit einem Kreuzkode oder einem anderen Primärkode benutzt werden. Häufig wird bei Sternkodes der dazugehörende Kreuzkode angegeben.

Ausrufezeichenschlüsselnummern: Sekundärkodes

Ausrufezeichenschlüsselnummern sind optionale Kodes. Sie dürfen als sog. sekundäre Schlüsselnummern niemals alleine verwendet werden, sondern nur zusätzlich zu einem Primärkode, also zu einem Kode, der nicht mit * oder ! gekennzeichnet ist. Sie dienen der Spezifizierung des Primärkodes.

Klassenattribute: Definitionen, Inklusiva, Exkluvia und weitere

Innerhalb der Kapitel, Gruppen und Kategorien gibt es oft verschiedene klarstellende Hinweise. Stehen derartige Klassenattribute nach einer Kapitelüberschrift, gelten sie für alle Kategorien des Kapitels, stehen sie nach einer Gruppenüberschrift, gelten sie für alle Kategorien der Gruppe; stehen sie nach einer Kategorienüberschrift, gelten sie für die Kategorie und alle ihre Subkategorien.

Definitionen

Gelegentlich - insbesondere in Kapitel V - werden direkt unter dem Klassentitel Definitionen zu dem im Klassentitel bezeichneten Krankheitsbild gegeben:

Screenshot: F01 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 8: Kategorie mit den Klassenattributen Definition und Inklusivum

Inklusiva und Exklusiva

Ein- und Ausschlussvermerke weisen darauf hin, welche Krankheiten unter eine bestimmte Kategorie fallen und welche nicht. Einschlussvermerke werden oft, aber nicht immer, durch ein der Krankheitsbezeichnung vorangestelltes " Inkl.:" (für Inklusivum) gekennzeichnet. Ausschlussvermerke sind immer durch ein vorangestelltes " Exkl.:" (für Exklusivum) zu erkennen. Bei den im Ausschlussvermerk genannten Krankheiten wird in runden Klammern der Kode der zutreffenden Kategorie genannt.

Wie bei Klassentiteln können auch bei Einschlussdiagnosen in runden Klammern ergänzende optionale Wörter angegeben werden. Im folgenden Beispiel I10.- fällt die Einschlussdiagnose "Hypertonie" in jedem Fall unter die Kategorie I10.-, völlig unabhängig davon, ob die Bezeichnung "Hypertonie" durch einen oder mehrere der in Klammern genannten Ausdrücke spezifiziert ist:

Screenshot: I10 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 9: Kategorie mit den Klassenattributen Inklusivum und Exklusivum

Listen und Tabellen

In Ein- und Ausschlussvermerken können wie z.B. bei I10.- oder I24.0 unter einem Begriff Listen auftreten; dabei ist der Begriff als Listenüberschrift durch einen Doppelpunkt von der Liste getrennt. Die Listenüberschrift kann eine Krankheitsbezeichnung oder ein unvollständiger Satzteil wie in I10 sein, aber auch ein alleinstehendes Adjektiv wie "akut" oder ein Wortbestandteil wie "Koronar". Die Listen enthalten mögliche Ergänzungen zur Listenüberschrift; nur wenn diese durch mindestens eine der in der Liste enthaltenen Bezeichnungen ergänzt ist, fällt der so bezeichnete Zustand unter die Kategorie.

Screenshot: I24.0 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 10: Kategorie mit Tabelle als Inklusivum

Oft sind diese Listen zweispaltige Tabellen: einer Anzahl von Begriffen in Spalte 1 sind (getrennt durch einen senkrechten Strich oder in älteren Versionen durch geschweifte Klammern) in Spalte 2 ein oder auch mehre Begriffe gegenübergestellt. Jeder Begriff in Spalte 1 muss mit mindestens einem Begriff aus Spalte 2 zusammen auftreten, damit der so bezeichnete Zustand unter die Kategorie fällt. Korrekte Krankheitsbezeichnungen, die unter die Subkategorie I24.0 fallen, sind z.B. "Embolie der Koronararterien ohne nachfolgenden Myokardinfarkt" oder "Koronarverschluss ohne nachfolgenden Myokardinfarkt". Die Begriffe in den runden Klammern in der Listenüberschrift sind optional; es muss aber in der Bezeichnung außer der Listenüberschrift "Koronar" aus jeder Spalte mindestens ein Begriff enthalten sein, damit der so bezeichnete Zustand unter diese Kategorie fällt..

Hinweise und Kodierhinweise

Durch ein vorangestelltes " Hinw.:" ausgewiesene Hinweise enthalten weitere Informationen:

Screenshot: G11.2 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 11: Kategorie mit Hinweis

Kodierhinweise geben z.B. an, ob zusätzliche Schlüsselnummern angewendet werden können oder eine Subklassifikation angewendet werden soll:

Screenshot: I50.0 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 12: Kategorie mit Inklusivum und Kodierhinweis

Punkt-Strich-Notation und weitere formale Vereinbarungen

Punkt-Strich-Notation: Fast alle Kategorien haben vier- oder sogar fünfstellige Subkategorien, erkennbar auch an der Punkt-Strich-Notation des Dreistellers. Die Punkt-Bindestrich-Notation im Verweis im Exklusivum macht deutlich, dass der Kodierer sich von den Subkategorien des Kodes B69.- die richtige auswählen muss. Er darf die Zystizerkose nicht einfach mit dem nichtendständigen Kode B69.- kodieren.

Screenshot: B68 - ICD-10-GM Version 2010
Abb. 13: Punkt-Strich-Notation im Kode mit Verweis im Exklusivum

Eckige Klammern hinter Klassentiteln und Inklusiva enthalten synonyme Bezeichnungen, runde Klammern hinter Klassentiteln, Inklusiva und Exklusiva enthalten optionale Bezeichnungsbestandteile.