Institut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
In der chronologischen Übersicht finden Sie unsere News zum Informationssystem HTA aus den letzten zwei Jahren.
21.08.2012
Mit der jetzt veröffentlichten Auswertung von Primärdaten zu in Deutschland durchgeführten Projekten ergänzen die Autoren ihren HTA-Bericht zur Alkoholprävention aus 2011 (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Darin zeigten die Autoren generell, dass Untersuchungen über die Wirksamkeit von Einzelmaßnahmen lückenhaft sind. Die aktuelle Arbeit legt den Schwerpunkt nun auf Projekte in Deutschland, die von zahlreichen verschiedenen Trägern organisiert werden.
Für ihre Erhebung identifizierten die Autoren Träger und Koordinatoren von Präventionsmaßnahmen in Bund, Ländern und Kommunen in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Die 256 erfassten Akteure erhielten anschließend einen Fragebogen zu wesentlichen Fakten ihrer Projekte wie Laufzeit, Zielgruppe, Finanzierung und Evaluation. Die 95 Antworten (Rücklaufquote rund 40%) mit insgesamt 208 Projektbeschreibungen bildeten die Datenbasis für ihre Analyse.
Von den 208 genannten Projekten sind über 70% Einzelnennungen. Dies verdeutlicht die Vielfalt der Präventionsaktivitäten in Deutschland. Bei 98 Projektbeschreibungen geben die Akteure an, dass die jeweiligen Präventionsmaßnahmen evaluiert werden. Tatsächlich beschränken sich jedoch 80% dieser Evaluationen auf das Erfassen von Teilnehmerzahlen. Nur bei 17 Projekten handelt es sich um eine Prozess- oder Ergebnisevaluation. Die Mehrzahl der gemeldeten Alkoholpräventionsprojekte ist somit nicht wirkungsevaluiert.
Die Autoren bemängeln die Qualität durchgeführter
Wirkungsevaluationen, z.B. zu geringe Fallzahlen oder die mangelnde
Überprüfung vorab definierter Zielparameter. Einzig für zwei
Präventionsprojekte sehen sie derzeit die Wirkung als
wissenschaftlich belegt an: "Klasse2000" und "Aktion
Glasklar".
Im Wesentlichen bestätigen die Autoren die Schlussfolgerung
des vorangegangenen HTA-Berichts, dass in Deutschland weitestgehend
nicht evaluierte Alkoholpräventionsmaßnahmen eingesetzt werden. Für
diese seien darüber hinaus messbare Zielgrößen zu definieren. Diese
grundlegende Forderung erfüllt jedoch nur eine Minderheit der
betrachteten Projekte.
Bund, Länder, Kommunen sowie Verbände und Bündnisse fördern in Deutschland Alkoholpräventionsmaßnahmen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ein Nachweis der Kosteneffektivität für die Präventionsmaßnahmen fehlt. Dies verdeutlicht die noch unzureichende Entwicklung der Präventionsforschung. Denn allgemein besteht die Forderung, dass Präventionsmaßnahmen kosteneffektiv sein sollen.
Auf Basis ihres ersten HTA-Berichts und der jetzigen Auswertung von Primärdaten fordern die Autoren, Präventionsforschung und -planung zum Alkoholmissbrauch in Deutschland grundsätzlich neu auszurichten. Bevor Projekte flächendeckend realisiert werden, sei es erforderlich, ihre Wirksamkeit zu prüfen. Dazu müssten aussagekräftige Parameter herangezogen werden, beispielsweise deutlich reduzierter Alkoholkonsum.
Föderale Strukturen der Prävention von Alkoholmissbrauch
bei Kindern und Jugendlichen
Dieter Korczak
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