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17.03.2010
Auf Basis der vorliegenden Studien lassen sich einzelne Maßnahmen nicht abschließend beurteilen. Auch die Informationen zur Kosteneffektivität decken derzeit nur Teilaspekte ab. Die Autoren halten weitere Studien für dringend erforderlich.
In ihrem Bericht betrachten die Autoren verschiedene Präventions- und Kontrollmaßnahmen: Die oft unzureichende Qualität der Studien erschwert es, die Effektivität einzelner Methoden zu beurteilen. Die meisten Studien prüfen Maßnahmenbündel, analysieren diese jedoch nicht differenziert. Deshalb lässt sich die Wirkung keiner einzelnen Methode zuschreiben. Viele Arbeiten berücksichtigen zudem nur unzureichend sogenannte Confounder (Störgrößen wie Alter, soziale Schicht, Personaldichte etc., die das Risiko für eine Infektion beeinflussen).
Dennoch bewerten die Autoren Präventions- und Kontrollmaßnahmen als wirksam. Dazu gehören u.a.:
Hygienemaßnahmen erweisen sich in mehreren Studien gemeinsam mit anderen Vorgehensweisen als effektiv. Unklar bleibt, welchen Beitrag einzelne Mittel (Handschuhe, Händewaschen, Kittel, Mundschutz etc.) dabei zur Verringerung der MRSA-Raten leisten. Die Autoren weisen zudem auf die zwischen den Studien stark abweichenden Compliance-Raten zur Händehygiene hin. Diese zu verbessern, sollte Basis jeder Präventionsstrategie sein. Erfolgreich sind dabei Mitarbeiterschulungen und Kontrollen. Zusammen mit Managementprogrammen für Antibiotikatherapien helfen sie auch, die Anwendung von Antibiotika im Krankenhaus zu optimieren.
Ein selektives Screening von Risikopatienten kann ebenfalls erfolgreich sein. Schnelltests erscheinen nur bei Risikopatienten und einer lokal hohen MRSA-Prävalenz sinnvoll. Nicht generell zu empfehlen ist aufgrund der Nebenwirkungen eine allgemeine Dekolonisation mit Mupirocin. Zwar zeigen dazu die Daten verringerte Infektionen. Dennoch sollte sie nur im Einzelfall eingesetzt werden, da viele Spontanheilungen beobachtet werden und sich Infektionswege stark unterscheiden.
Mehrfach wird von sogenannten Hawthorne-Effekten berichtet (Versuchsteilnehmer ändern ihr Verhalten, wenn sie von der Untersuchung wissen): Anscheinend bewirkt bereits allein ein Wettbewerb um fallende MRSA-Raten zwischen Krankenhäusern oder Abteilungen sinkende Infektionsraten.
Da die Kombination einzelner Maßnahmen die MRSA-Rate offenbar zusätzlich reduziert, empfehlen die Autoren, die Zusammensetzung des Katalogs von Präventions- und Kontrollmaßnahmen weiter zu evaluieren. Dringend benötigt werden Informationen zur Beurteilung der Kostenwirksamkeit. Die vorliegenden gesundheitsökonomischen Studien sind für das deutsche Gesundheitssystem nur eingeschränkt aussagefähig. Psychosoziale Effekte einer MRSA-Infektion wurden hierzulande bisher völlig unzulänglich erforscht.
In Laboruntersuchungen auf Staphylokokken in Deutschland waren 2007 rund 20 Prozent der Keime vom resistenten Typ. Sie verursachen bei Patienten im Krankenhaus häufig schwere Infektionen mit erheblichen Folgeschäden. Der Schutz vor MRSA stellt die Krankenhäuser vor große Herausforderungen, denn die Resistenz der Keime beschränkt die Möglichkeiten der Behandlung drastisch. Übertragen werden die Bakterien vor allem durch Handkontakt (medizinisches Personal). Nach einer Besiedlung der Nase können sich die Erreger auch auf andere Hautareale und Schleimhäute ausweiten.
MRSA-Infektionen im Krankenhaus sind seit 2009 meldepflichtig.
Medizinische Wirksamkeit und Kosten-Effektivität von
Präventions- und Kontrollmaßnahmen gegen Methicillin-resistente
Staphylococcus aureus (MRSA)-Infektionen im Krankenhaus
Dieter Korczak, Christine Schöffmann
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