HTA-Methodik: Medizintechnologien schon bei Entwicklung bewerten


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DIMDI Aktuell HTA

In der chronologischen Übersicht finden Sie unsere News zum Informationssystem HTA aus den letzten zwei Jahren.


HTA-Methodik: Medizintechnologien schon bei Entwicklung bewerten

05.03.2010

Health Technology Assessment (HTA) einer Technologie erfolgt meist, wenn ihre Entwicklung nicht mehr direkt beeinflussbar ist. Bedarf bestünde aber durchaus in früheren Entwicklungsstadien, wenn Investitionen noch beeinflussbar sind. Dafür gibt es mehrere Methoden, so die Autoren eines jetzt vom DIMDI veröffentlichten HTA-Berichts, der verschiedene entwicklungsbegleitende Bewertungsansätze beschreibt. Diese sei abhängig von der Art der Technologie und Bewertung zu wählen.

Entwicklungsbegleitende Bewertungen verstehen die Autoren als erste Stufe mehrphasiger HTA-Prozesse. Wenig Erfolg versprechende Technologien könnten damit frühzeitig verändert oder aussortiert werden. Ihr Bericht identifiziert dazu aus der Literatur vor allem Ansätze wie

  • Bewertungskonzepte (mit mehreren Methoden),
  • Entscheidungsunterstützungsmethoden,
  • Modellierungsansätze und
  • Methoden, die das Wissen von Nutzern in den Mittelpunkt stellen.

Auch zwei Forschungsprogramme werden betrachtet. Alle besitzen jedoch selten mehr als Pilotcharakter, schränken die Autoren ein. Zudem sind Anzahl und Informationsgehalt der gefundenen Literatur zu gering, um einzelne Methoden abschließend bewerten zu können.

HTA konventionell

Traditionelle HTA-Methodik fokussiert auf medizinische und ökonomische Bewertungen sowie auf mit der Technologie assoziierte sozialmedizinische, juristische und ethische Aspekte. Sie basiert überwiegend auf Daten klinischer Studien und eventuell auf zusätzlichen Beobachtungen in der Routineversorgung. Neue Technologien werden zunehmend auf der Basis bestmöglicher Evidenz mit dem Ziel bewertet, gesundheits- und/oder gesundheitssystemrelevante Entscheidungen in Politik und Praxis treffen zu können.

Frühzeitiges HTA: Einfluss auf Technologieentwicklung

Ein frühes Assessment besitzt zwar den Vorteil, die Entwicklung einer Technologie noch einfach und kostengünstig beeinflussen zu können. Die Ergebnisse sind allerdings nur vorläufig, wenden die Autoren des Berichts ein. Schließlich unterliegen sie einer gewissen Unsicherheit und könnten durch nachfolgende Veränderungen der Technologie irrelevant werden. Eine zu frühe Bewertung kann daher nutzlos sein. Demgegenüber sind die Daten einer späteren Bewertung belastbarer. Die Technologie zu beeinflussen ist dann aber weitaus schwieriger, teurer oder unmöglich, so die Autoren weiter.

Für ein entwicklungsbegleitendes HTA (innerhalb der Entwicklungs- bzw. Vorbereitungsphase der Verbreitung/Etablierung einer Technologie) nennen sie folgende Vorteile:

  • Frühzeitige Informationen zu potenziell relevanten Entwicklungen für Kostenträger, Technologieentwickler, Patienten und Anwender
  • Sicherheit, Wirksamkeit, Bedarf und Kostenwirksamkeit einer Neuentwicklung werden eingeschätzt
  • Möglichkeit, die Weiterentwicklung aussichtsreicher Technologien zu fördern
  • Nachteilige Entwicklungen können rechtzeitig modifiziert bzw. abgebrochen werden

Der HTA-Bericht nennt drei grundsätzliche Probleme entwicklungsbegleitender Methoden, die miteinander zusammenhängen:

  • Wann ist der optimale Zeitpunkt der Evaluation?
  • Sind ausreichend Daten zur Innovationsbewertung vorhanden?
  • Wie groß ist die Unsicherheit bei der Nutzung dieser Daten?
Fazit

Für eine abschließende Bewertung entwicklungsbegleitender Methoden reicht den Autoren die vorhandene Literatur nicht aus. Auch sind die Methoden bisher international nicht standardisiert. Die Autoren verstehen ihren Bericht daher als deskriptive Übersicht und möglichen Ausgangspunkt für weitere Auseinandersetzungen mit dem Thema. Forschungsbedarf sehen sie vor allem bei Anwendung und Validierung sowie dem Vergleich der verschiedenen Methoden zur entwicklungsbegleitenden Bewertung von Technologien.

 
Methoden zur frühen entwicklungsbegleitenden Bewertung innovativer medizinischer Technologien

Marc Bartelmes, Ulrike Neumann, Dagmar Lühmann, Matthias P. Schönermark, Anja Hagen

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar.

Ansprechpartner:
Ergänzende Informationen auf unserer Website:
Weitere Informationen im Web:
 

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