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1969-1992: Schwerpunkt medizinische Fachinformation

Eine wissenschaftliche Informationskrise zeichnete sich Ende der 1950er Jahre ab - auch in der Medizin. Die erstmalige Forderung nach einem eigenständigen Institut für medizinische Dokumentation wurde 1959 von Bundesärztekammer und Bundesrechnungshof formuliert. Den Initiativantrag des Gesundheitsheitsausschusses 1962 griff das Gesundheitsministerium auf und entwickelte mit dem Institut für Dokumentationswesen in Frankfurt und unter Beteiligung wichtiger Gremien aus dem Gesundheitswesen einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Situation in der Medizin: Ein neues Institut sollte einen Auskunftsdienst aufbauen, der vor allem die medizinische Literatur der ganzen Welt berücksichtigte und darüber hinaus Forschungsvorhaben, Kongressberichte, Zusammenstellungen von Arzneimittelvergiftungen etc.

Der Anfang

Im Laufe des Jahres 1967 fiel die Entscheidung für Köln als Standort, da hier ein Sondersammelgebiet Medizin von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur medizinischen Zentralbibliothek (heute ZB MED) ausgebaut wurde. Im Frühjahr 1969 begannen eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter mit dem Aufbau des DIMDI.

1970 übernahm Dr. Rolf Fritz als Präsident die Leitung des neuen Instituts (1970-1995) mit bereits acht engagierten Beschäftigten. Der Physiker war zuvor bei AEG Telefunken in der Abteilung Dokumentation und Information tätig gewesen. Mit tatkräftiger Unterstützung des technischen Leiters, Hans-Eberhard Kurzwelly, der bereits 1969 zur Gründungsgruppe des DIMDI gehörte, etablierte Dr. Fritz das Institut als eine international anerkannte Informations- und Dokumentationseinrichtung und als Pionier in der Entwicklung von Recherchesystemen.

Haupttätigkeiten des DIMDI waren damals zunächst die Literaturrecherche und die Indexierung von Fachartikeln für MEDLARS/MEDLINE. Im Laufe der ersten Jahre nahm die Nachfrage nach Erweiterung des Informationsangebots beim DIMDI stetig zu und entsprechend vergrößerte sich das Datenbankangebot kontinuierlich.

Gleichzeitig entwickelte das DIMDI eigene Systeme für die Literaturrecherche und die Literaturbestellung und eine eigene Infratstruktur für den dezentralen Zugriff darauf. Mit dem Aufbau von DIMDINET im Jahr 1975 konnten auch Bibliotheken, Forschungsinstitute und erste Informationsvermittler selbständig beim DIMDI online recherchieren - 20 Jahre bevor das Internet Verbreitung fand.

Anfang der 1970er Jahre wurde das DIMDI im Rahmen eines Förderprogramms der Bundesrepublik für Informations- und Dokumentationsprogramme (IuD-Programm 1974-1977) zum Fachinformationszentrum "Gesundheitsversorgung, Medizin, Biologie und Sport" benannt. Dr. Fritz wurde 1976 in den Lenkungsausschuss für IuD-Programme berufen und das DIMDI unterstützte in der Folge maßgeblich den Aufbau von Informationszentren anderer Fachrichtungen (u. a. Technik, Chemie etc.). Verwaltungsabkommen wurden geschlossen mit der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information in Bonn (ZADI), dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Köln (BISP), dem Institut für Dokumentation über Sozialmedizin und öffentliches Gesundheitswesen in Bielefeld (IDIS), der Zentralstelle für psychologische Information und Dokumentation in Trier (ZPID) und dem Senckenberg Forschungsinstitut als Informationszentrum Biologie in Frankfurt u. v. m.

Experte für medizinische Datenbanken und Recherche-Anwendungen

1971 reichte die gemietete Rechenleistung bei der Universität Köln bereits nicht mehr aus und der Aufbau eines eigenen Rechenzentrums begann. Da sich seinerzeit kein geeignetes System für die Recherche in medizinischen Datenbanken auf dem Markt befand, entwickelte das DIMDI eine eigene Software DIRS (DIMDIs Information Retrieval System), eine Komponente des Gesamtsystems grips (General Relation Based Information Processing System). Später wurde für alle Komponenten des Datenbank- und Retrievalsystems nur noch der Markenname grips benutzt. Zahlreiche Fachinformationszentren übernahmen diese Anwendung für den Aufbau ihrer Datenbanken.

Bis 1976 indexierten die DIMDI-Beschäftigten noch bis zu 20.000 Artikel pro Jahr für MEDLARS/MEDLINE. Danach wurden zunächst externe Werkverträge vergeben, bis Anfang 1984 die Indexierung deutschsprachiger Artikel ganz vom Datenbankhersteller NLM übernommen wurde. Bis dahin hatte das DIMDI rund 150.000 medizinische Fachartikel verschlagwortet. Über Rechercheservice und Indexierung hinaus arbeitete das DIMDI seit 1974 mit am einheitlichen MEDLARS-Thesaurus der NLM (Medical Subject Headings, MeSH), den es bis heute ins Deutsche übersetzt.

Mit dem anstehenden Anschluss an EURONET wurden arbeitsaufwändige Systemanpassungen notwendig, um eine einheitliche Retrievalsprache für alle Nutzer in Europa zu ermöglichen.  Das DIMDI war im Gremium vertreten, das die internationale Common Command Language (CCL) entwickelt hatte. Im Grunde war CCL eine modifizierte Version von DIRS2 und wurde 1993 auch ISO-Standard.

Nach Implementierung von CCL als internationale Kommandosprache stellte das DIMDI 1979 die erste, aus DIRS2 weiterentwickelte Version von grips (= DIRS3) vor. Mit der Eröffnung von EURONET und der Einführung von DATEX-P (1980) war es dann möglich, über Knoten in Paris, London, Frankfurt, Den Haag, und Rom bei mehreren Hosts in ganz Europa zu recherchieren - auch beim DIMDI.

Im Jahr 1978 verkaufte das DIMDI erstmalig sein Softwarepaket - Datenbanksystem, Kommandosprache, Kunden- und Abrechnungsverwaltung, das in der Folge sehr gefragt war. Der erste Kunde war das Informationszentrum Karlsruhe (INKA), weitere waren u. a. das Bundesgesundheitsamt, ZADI, Misereor, die Firma Braun Melsungen, die Generaldirektionen 9 und 13 in Luxemburg, die Deutsche Bibliothek und die Gesellschaft für Information und Dokumentation (GID) in Frankfurt/Main, das Deutsche Bibliotheksinstitut in Berlin, das Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in Trier, das Informationszentrum Sozialwissenschaften (IZ) in Bonn und schließlich 1994 das National Documentation Centre in Athen/Griechenland.

1981 belief sich der Bestand an Datenbanken in Deutschland auf rund 200, von denen 50 online abfragbar waren. Diese 50 verteilten sich auf zwei Hosts mit EURONET-Anschluss: das DIMDI und das INKA, das als Service-Rechenzentrum für die Fachinformationszentren (FIZ) 3 (Chemie), FIZ 5 (Hüttenkunde), FIZ 6 (Geowissenschaften), FIZ 8 (Bauwesen) und FIZ 16 (Technik) diente.

Das Angebot wächst ins Internet

1982 waren beim DIMDI 28 Datenbanken online und alle MEDLARS-Center der NLM weltweit hatten Zugriff auf das DIMDI. Zwei Jahre später wurden über das DIMDI die gewünschten Dokumente für Auftragsrecherchen aus dem Datenbanksystem heraus schon online bei Bibliotheken bestellt. 1987 war das Informationsangebot beim DIMDI auf 56 Datenbanken angewachsen.

1989 bot das DIMDI bereits eine menügeführte Recherchefunktion an (grips Menue), mit der auch Recherchelaien komfortabel in Datenbanken recherchieren konnten. Nachkommen von grips waren bis 2002 beim DIMDI in Betrieb. Die neue Generation der menügeführten Rechercheoberfläche ist seither die DIMDI SmartSearch. Für Recherche-Experten steht weiterhin die Kommandosprache DIMDI ClassicSearch zur Verfügung.

Den Schritt ins Internet machte das DIMDI bereits 1993 mit seinem Telnet-Zugang, ein Jahr später erschienen bereits die ersten statischen Internetseiten des DIMDI - die ersten Schritte auf dem Weg zum heute breiten Informationsangebot des DIMDI im Worldwide Web.

Mitte der 1980er Jahre begannen auf Seiten des Gesundheitsministeriums bereits die Überlegungen zum Einsatz von IT-Lösungen bei der Umsetzung von neuen Gesetzen, die zu vielen neuen Aufgaben mit Beginn der 1990er Jahre führten.

Mehr zur Geschichte des DIMDI:

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